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Fragebogen "Alte Schule":Johann König

Johann König

Johann König, 38, führt in Berlin eine international renommierte Galerie für Gegenwartskunst, die er 21-jährig gründete. Sein Vater leitete viele Jahre das Museum Ludwig in Köln, sein Onkel verlegte Kunstbücher. Mit elf Jahren verlor König bei einer Explosion von Startpistolenmunition einen Großteil seines Sehvermögens. Sein Abitur machte er an der Blindenstudienanstalt in Marburg. Zu den Künstlern seiner Galerie, die Dependancen in London und Tokio hat, zählen Juergen Teller, Norbert Bisky, Katharina Grosse und Annette Kelm.

(Foto: Lukas Gansterer)

Sangesfreudiger Skulptursitzer mit Handicap-Überwindungskraft und potenzieller Gefährder für die Lebensmittelrücklagen seiner Internatsmitbewohner.

Erste Reihe oder letzte Bank?

Leider meistens zur Strafe vor der Tür.

Influencer oder Follower?

Stellvertretender Klassensprecher - was das kleinste mögliche Amt war, das man bekleiden konnte.

Mein Hobby in der Pause?

Auf dem Schulhof auf der Skulptur von Bettina von Arnim zu sitzen.

Meine größte Stunde?

Das war immer die Chorstunde, ein freiwilliges Fach, das ich mit Freude belegt hab und in dem ich aufging. Und das einzige Fach, in dem ich jemals eine Eins bekommen habe.

Das würde ich gern vergessen:

Das Gefühl, als ich meine Klassenkameraden nach meinem Unfall wiedertraf und gemerkt habe, dass man da nicht mehr zusammenkommt.

Ein Denkmal gebührt ...

... Carl Strehle, dem Gründer der Blindenstudienanstalt in Marburg, der sich dafür einsetzte, dass man auch Sehbehinderten und Blinden so viel Bildung vermitteln kann, dass sie das Abitur machen können.

Lernen ist ...

... wenn man erst im Berufsalltag merkt, was man verpasst hat, als man im Rechnungswesenunterricht nicht aufgepasst hat.

Noten sind ...

... bei mir zumindest in der Regel versetzungsgefährdend gewesen.

Schule müsste ...

... auf die einzelnen Bedürfnisse der Kinder eingehen können, vor dem Hintergrund von Migration, Behinderung oder sonstiger Besonderheiten. Deshalb bräuchte sie eine bessere finanzielle Ausstattung.

Entschuldigen muss ich mich bei ...

... meinen Internatsmitbewohnern dafür, dass ich ihnen immer das Essen weggegessen habe.

Entschuldigen muss sich bei mir ...

... die Verkäuferin von dem Spielzeughandel, die mir die Knallkorken verkauft hat, die ab 18 gewesen wären, obwohl ich erst elf war.

Zur Schule hat jeder was zu sagen. War ja jeder da. Deshalb gibt es einmal die Woche "Alte Schule"