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Finanzielle Förderung der Doktorarbeit:Welche Stipendien gibt es für die Promotion?

Neues Spiel, neues Glück: Auch wer ohne Stipendium studiert hat, erhält während der Promotion noch eine Chance. Die Karten werden neu gemischt, weil bei der Bewerbung für eine finanzielle Förderung nun das Thema der Doktorarbeit in den Vordergrund rückt.

Auch wer im Studium kein Stipendium bekommen hat, hat während der Promotion noch einmal eine Chance. Immerhin bietet die Förderung Doktoranden die Möglichkeit, sich zwei bis drei Jahre in Ruhe auf die Arbeit konzentrieren zu können - ohne nebenher jobben oder am Lehrstuhl schuften zu müssen.

"Während der Promotion öffnen wir uns ganz bewusst noch einmal für alle: neues Spiel, neues Glück", sagt Sibylle Kalmbach, stellvertretende Generalsekretärin der Studienstiftung des deutschen Volkes. Und dann komme es auch nicht nur auf Studienleistungen und gesellschaftliches Engagement, sondern ebenso sehr auf das Promotionsvorhaben an. Mit einem spannenden Exposé lassen sich so also unter Umständen Defiziten in anderen Bereichen ausgleichen.

Die zwölf Begabtenförderwerke bieten alle auch Stipendien für Doktoranden. Voraussetzung sind gute Noten und ein vielversprechendes Thema. Abhängig von anderen Einkommen gibt es monatlich bis zu 1050 Euro, plus Forschungspauschale, Familienzuschlag und Kinderbetreuungszuschuss. Ewig promovieren von öffentlichen Geldern kann man allerdings nicht: Die Förderdauer ist auf zwei Jahre begrenzt, auf bis zu vier Jahre kann bei entsprechenden Gründen wie Kinderbetreuung verlängert werden.

Die Begabtenförderwerke vergeben gemeinsam mit der Landesgraduiertenförderung und den Graduiertenkollegs den Löwenanteil der Promotionsstipendien. In der Landesgraduiertenförderung schreiben die Länder Stipendien für Promotionen aus, die an ihren Hochschulen verfasst werden. Meist stellen die jeweiligen Hochschulen ihren Doktoranden ein bestimmtes Kontingent zur Verfügung.

In Berlin ist das beispielsweise das Elsa-Neumann-Stipendium für überdurchschnittlich gute Absolventen, deren Dissertation einen "wichtigen Beitrag zur Forschung erwarten" lässt. Neben 1000 Euro monatlicher Grundförderung gibt es für maximal drei Jahre eine Sachkostenpauschale von 103 Euro und Zuschüsse zu Reisekosten. Weitere Infos gibt es auf den Webseiten der Bildungs- und Wissenschaftsministerien oder an der Hochschule.

Gemeinsam forschen im Graduiertenkolleg

Die Graduiertenkollegs werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt, in der Förderhöhe und -dauer orientieren sie sich an den großen Förderwerken. Als Doktorand verdient man dort 1000 bis 1365 Euro im Monat für die Dauer von bis zu drei Jahren, hinzu kommt eine Sachkostenpauschale von 103 Euro und bei Bedarf Kinderzuschlag und Zuschüsse zu Reisekosten.

Graduiertenkollegs sind bestimmten Hochschulen zugeordnet, die Teilnehmer befassen sich in ihren Einzelprojekten mit einem übergeordneten Forschungsthema wie der "Politischen Kommunikation von der Antike bis in 20. Jahrhundert", die in einem der teils internationalen Kooperationsprojekte an den Unis Frankfurt am Main, Innsbruck, Trento und Bologna erforscht wird. Interessierte bewerben sich bei passenden Kollegs der Hochschulen.

Die meisten anderen Stiftungen stellen ähnliche, wenn auch vielleicht nicht ganz so hohe Anforderungen an ihre Stipendiaten und auch die finanzielle Förderung ist vergleichbar: um die 1000 Euro pro Monat, meist für zwei, maximal drei bis vier Jahre.

Damit das Geld weiter fließt, muss regelmäßig über den Fortschritt der Arbeit und die weitere Vorgehensweise Bericht erstattet werden. Zur finanziellen kommt bei vielen Promotionsstipendien die ideelle Förderung: Seminare, Weiterbildungsangebote, Austausch mit Mitstipendiaten, Ehemaligen und Vertrauensdozenten.

Viele kleinere Stiftungen oder auch Unternehmen fördern oft ausschließlich eine ganz bestimmte Zielgruppe: weiblichen Forschernachwuchs, Forschung in bestimmten Fachbereichen oder zu bestimmten Themen. Wer sich in seiner Doktorarbeit beispielsweise dem Umweltschutz widmet, kann sich bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt bewerben. An Literaturwissenschaftler und Historiker vergibt die Stiftung Bildung und Wissenschaft Stipendien in Höhe von 1000 Euro monatlich. Außerdem gibt es eine Reihe von Stiftungen, die auf Landes- oder lokaler Ebene aktiv sind: Die Quistorp-Stiftung beispielsweise unterstützt Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Rostock.

In Datenbanken ist hier die fachspezifische Suche nützlich. Weiterhelfen können ansonsten die Stipendienstellen der Hochschulen, das Studentenwerk oder Doktorvater und -mutter, die in ihrem Fachbereich den Überblick über passende Projekte und Fördermöglichkeiten haben. Eine gute Übersicht bietet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auf ihrer Website.