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Exzellenzinitiative:Es mangelt an Personal

Vor allem aber wird neues Personal gebraucht. Einige Professoren für den Cluster hat man schon mit Vorab-Berufungen geholt, bevor der Zuschlag kam. Die Uni hat die Kosten übernommen und hätte die Forscher auch ohne Cluster behalten. Mehr Experten sind aber nötig - und so geht man auf Werbetour. Hartmann und Kollegen fahnden gerade nach Wunschkandidaten, schlagen sie der Uni-Leitung vor und hoffen, dass die Forscher in ein paar Monaten den Dienst antreten. Wohlgemerkt: Berufungen können hierzulande gern mal ein Jahr dauern. Hier geht das nun flott.

Ein Vorteil für die Rekrutierer: Nordrhein-Westfalen ist Vorreiter bei der Hochschulautonomie, die frühere schwarz-gelbe Regierung hat Kompetenzen aus dem Ministerium an die Unis verlagert. So können heute Rektoren Professoren berufen, ohne dass dies groß die Mühlen der Bürokratie durchläuft. Zudem bekommen viele NRW-Unis pauschale Haushalte, mit denen sie selbst wirtschaften. Investiert man etwa in eine Vorab-Professur, ist diese nicht an fixe Stellenpläne des Ministeriums gebunden. Freiheit, die auch Verantwortung bedeutet. "Man kann die Universität nach vorne bringen. Oder auch ruinieren", hat der Darmstädter Rektor das Prinzip der Hochschulfreiheit mal treffend beschrieben.

Weiterer Vorteil ist die seit 2005 geltende W-Besoldung für Professoren. Sie sieht niedrigere Grundgehälter und dafür variable Zulagen vor. Die Uni kann nun ihre Favoriten auch aus dem Ausland nicht nur mit formidablen Bedingungen im Cluster oder mit weichen Faktoren wie Familienfreundlichkeit, sondern auch mit mehr Geld locken. Auf gute Jungforscher und Doktoranden hat man es ebenfalls abgesehen. Wir haben jetzt die Chance, auf allen Ebenen die Besten zu holen, so Hartmann.

Großen Rummel gibt es um das neue Aushängeschild: Schafft das nicht Neid, etwa an Fakultäten ohne einen solchen Geldsegen? Als vor einigen Jahren ein Haushaltsloch von mehreren Millionen drohte, erließ die Uni Sparpläne. Das Rektorat hatte dabei beschlossen, die in jüngster Vergangenheit forschungsstarken Fächer wie Mathematik, Biomedizin oder etwa auch die Philosophie nahezu unversehrt zu lassen. Stark waren die Geisteswissenschaften betroffen, Empörung kam auf in Bonn.

Vorwurf: Die Vielfalt müsse leiden, damit sich die Uni ein Exzellenzprofil schneidern könne. Kürzlich hat die geisteswissenschaftliche Fakultät nach langem Protest eingelenkt; unter anderem die slawischen und mongolischen Sprachwissenschaften werden abgeschafft. Sparen sei nötig und habe nicht direkt mit dem Exzellenzwettbewerb zu tun, betont die Uni-Leitung - und hofft auf ein Ende des Streits.

Ein Cluster als Nachweis von Leistung ist attraktiv für die ganze Hochschule", sagt Hartmann diplomatisch. Auch Bereiche ohne Exzellenz-Label könnten sicher vom Ruf des Standorts profitieren und so leichter exzellente Wissenschaftler rekrutieren. Aber auch im Cluster will er zügig weitere Drittmittel einwerben, setzt auf Nachhaltigkeit. Er ist sich bewusst, dass die Exzellenzquelle auch wieder versiegt.

© SZ vom 13.08.2012/wolf
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