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Erzieherinnen:Lästiger Kostenfaktor auf der Krabbelstufe 1

Kleinkindererziehung, das ist noch immer Gedöns - den Eindruck bekommt, wer die Diskussion um die arbeitslosen Schlecker-Frauen verfolgt. Erzieherinnen verdienen zu wenig, haben kaum Ansehen und landen fast sicher in der Altersarmut. Die Politik verfällt in Aktionismus - und schafft wenig.

Erzieherinnen. In den Sonntagsreden der Politik sind die ja mittlerweile so etwas wie die Mütter Teresas der Nation. Gütige Wesen und Marathonempathikerinnen in einem. Wichtig. Nimmermüd. Aufopferungsvoll. Schade nur, dass sie an den anderen sechs Tagen der Woche so ziemlich der letzte Dreck sind.

Kostenfaktor Erzieherinnen

Erzieherinnen haben eine äußerst stressigen Beruf - und laufen trotzdem Gefahr, in der Altersarmut zu enden.

(Foto: dpa)

Noch mal zum Mitschreiben, was zuletzt über den Beruf der Erzieherin zu hören war. Und vorab: Ja, es gibt auch männliche Erzieher, aber die sind noch immer so rar, dass über jeden Zweiten von ihnen schon ein staunend raunendes Porträt in irgendeiner Zeitung zu lesen war.

Also, was konnten Erzieherinnen zuletzt über ihren Beruf lesen? Erst schlug die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen vor, Hartz-IV-Empfängerinnen in großem Maßstab zu Erzieherinnen umzuschulen. Dann kam ihre Idee mit den Schlecker-Kassiererinnen. Am selben Tag meldete die Arbeitsagentur, man werde versuchen, möglichst viele der arbeitslosen Kassiererinnen bei McDonald's, Amazon und dem Dänischen Bettenlager unterzubringen.

Auf der einen Seite standen Kindergärten in einer Reihe mit Fastfood-Restaurants, auf der anderen Seite fanden sich Erzieherinnen mit Hartz-IV-Empfängerinnen und arbeitslosen Kassiererinnen in einem Topf. Wie soll da nicht das Gefühl entstehen, dass dieser Beruf gelinde gesagt verdammt gering geachtet wird?

Es soll hier nicht um die pädagogische Kompetenz der Schlecker-Kassiererinnen gehen, wahrscheinlich hat von der Leyens Kollegin Kristina Schröder (wann wird die eigentlich endlich mal zu einer kompetenten Ministerin umgeschult?) recht, dass unter "diesen lebenserfahrenen Frauen" sicher viele seien, die sich "mit Freude einer solchen Aufgabe widmen wollen".

Und warum sollen lebenserfahrene Mütter nach entsprechender Umschulung den Job nicht genauso gut machen wie 19-jährige Berufsanfängerinnen? Es geht schon eher darum, dass es in Deutschland zu wenig Kita-Plätze und zu wenig Erzieherinnen gibt. Und darum, dass der Regierung plötzlich klar wird, was für ein Problem sie sich selbst angerührt hat: