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Bildung:Die Nachfrage übersteigt das Angebot

Die erste Etappe auf dem Weg zum Doppelabschluss hat Adrian Belli schon geschafft. Der 21-Jährige ist seit September 2012 als dualer Student im Bereich Elektrotechnik bei Grenzebach tätig. Zunächst startete er mit der Berufsausbildung zum Elektroniker, ein Jahr später begann parallel dazu sein erstes Studiensemester an der Hochschule Augsburg. Das ausbildungsintegrierende Modell mag für viele Menschen nach einer doppelten Belastung klingen. Der junge Mann hingegen hat das Gefühl, auf diese Weise zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. "In der Berufsschule und im Betrieb habe ich schon Vorwissen gesammelt, das mir an der Hochschule zugutekommt", berichtet der Student. Gleichzeitig könne er sich theoretisches Wissen durch die praktische Anwendung besser merken, was sich auch positiv auf die Klausurnoten auswirke.

Doch nicht nur die Kombination aus Theorie und Praxis gefällt Belli. "Ich werde nach Metalltarifvertrag bezahlt und erhalte monatlich genauso viel wie ein Azubi zum Elektroniker - auch in den Theorienphasen", erklärt er. "Die Vergütung ist nicht uninteressant. Aber auch die Anschlussperspektiven sind verlockend", stellt Hemkes vom BIBB fest. So werden beispielsweise bei der Deutschen Bahn 80 bis 90 Prozent der dual Studierenden nach erfolgreichem Abschluss übernommen.

Manchen dualen Studierenden ist der Bachelorabschluss zu wenig. So hat Saskia Bußfeld, die gerade in Kooperation mit der DB Netz AG in Berlin Bauwirtschaftsingenieurwesen studiert, einen weiterführenden Master im Blick. "Im September muss ich an der Hochschule für Wirtschaft und Recht meine Bachelorarbeit verteidigen. Im Oktober beginnt an der Beuth Hochschule in Berlin der Master in konstruktivem Hoch- und Ingenieurbau", erzählt die 22-Jährige. Der DB geht sie aber nicht verloren. Direkt nach dem Bachelorabschluss wird sie einen unbefristeten Vollzeitvertrag mit integriertem befristeten Teilzeitvertrag für die Dauer des Masterstudiums erhalten. "Ich werde dann neben dem Studium auf 20-Stunden-Basis im Projektmanagement weiterarbeiten", sagt sie.

Auch Grenzebach Maschinenbau sucht nach Wegen, strebsame Mitarbeiter dauerhaft zu binden. "Für den Masterstudiengang stellen wir unsere Mitarbeiter drei Semester frei", betont Rößner. "Außerdem sind auch duale Masterstudiengänge immer mehr im Kommen. Wir überlegen, auf diesen Zug aufzuspringen, um noch mehr hochqualifizierende Bildungsmöglichkeiten in der Region zu bieten." So können in Bayern derzeit etwa 80 Masterstudiengänge dual absolviert werden. "Bei einem Vollzeit-Studium erhalten die Studierenden nach 1,5 Jahren den Masterabschluss. Davon arbeiten sie insgesamt etwa neun Monate im Unternehmen. Den Rest der Zeit sind sie an der Hochschule", erklärt Theresa Eitel von Hochschule Dual. Einige Hochschulen bieten auch Teilzeitmodelle an, bei denen man in sechs Semestern zum Masterabschluss gelangt.

Der Ausbau der dualen Studiengänge ist zwar in vollem Gange, doch die Nachfrage nach derartigen Studienplätzen übersteigt bei Weitem das Angebot. "Eine Umfrage des BIBB hat ergeben, dass jeder vierte bis fünfte Student gerne dual studieren würde. Der tatsächliche Anteil der Dualis an der gesamten Studentenschaft ist mit drei bis vier Prozent noch relativ niedrig", stellt Barbara Hemkes fest. "Das liegt vor allem daran, dass die Betriebe nicht so viele Studierende aufnehmen können."

Davon kann Sünderhauf von der DB ein Lied singen. Knapp 350 duale Studienplätze hat der Konzern für Herbst 2016 zu besetzen. "Jährlich bewerben sich ungefähr 10 000 junge Leute", berichtet Sünderhauf. Am Ende eines dreistufigen Auswahlverfahrens erhalten nur etwa drei Prozent einen der begehrten Plätze.

Weitere Informationen: www.ausbildung-plus.de; www.duales-studium.de; www.wegweiser-duales-studium.de; www.hochschule-dual.de; www.azubiyo.de/dual-studieren