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Dortmund-Trainer Klopp im Hörsaal:Trotzdem Spaß haben

Klopp nennt seinen Vortrag spontan "Sport studieren - und trotzdem erfolgreich sein" und gibt damit die Richtung des Abends vor: Er triezt das Auditorium nach Kräften und erntet auch für wiederkehrende Späße über den erfolglosen 1. FC Köln Gelächter. "Ich bin überrascht, dass so viele gekommen sind, hier in Köln, wo der Fußball ja nicht so positiv besetzt ist." Warum er selbst nicht nach Köln komme, um den FC zu retten?, ruft eine Studentin in den Hörsaal. Klopp reagiert blitzschnell: "Ein Schönheitschirurg würde sagen: Enthauptungen mache ich nicht."

Aber es geht nicht nur um Spaß. Jürgen Klopp erklärt detailreich den Ansatz für den Erfolg des Dortmunder Fußballs: "Unsere Hauptgewichtung liegt auf dem Spiel gegen den Ball, das ist formunabhängig, verleiht Stabilität und nimmt im Training 80 Prozent ein." Der FC Barcelona werde "unter Nichtfachleuten völlig falsch diskutiert. Die größte Stärke des FC Barcelona ist das Gegenpressing, sie verlieren den Ball und holen ihn sich sofort zurück, sie verteidigen in einer so hohen Zone wie keine andere Mannschaft der Welt." Denn: "Der beste Spielmacher ist Gegenpressing, der günstigste Moment, den Ball zu erobern, ist direkt nach dem eigenen Ballverlust."

Und natürlich ist der Rivale Bayern München ein wiederkehrendes Thema des Vortrags. Der FC Bayern werde "noch auf Jahre hinaus die beste deutsche Mannschaft sein", sagt Klopp, "wir müssen gegen sie noch jahrelang die Sterne vom Himmel verteidigen, denn uns fehlt die Erfahrung und in Teilbereichen auch die Klasse, um auf ihrem Niveau mitzuspielen".

Dafür verrät Klopp aber, wie er seinen Spielern vor dem siegreichen Pokalfinale gegen München einen 15-minütigen Zusammenschnitt welthistorischer Ereignisse gezeigt habe. "Mondlandung und so Zeugs", sagt Klopp grinsend. "Aber wir haben unterschätzt, dass meine Spieler Dreiviertel des Gezeigten gar nicht kannten, weil sie so jung sind. Wir hatten den 'Rumble in the Jungle' dabei, aber für die Jungs boxten da bloß zwei alte Männer bei schlechter Bildqualität. Und Kennedys 'Ich bin ein Berliner' ist einem jungen japanischen Fußballer auch nur schwer zu verkaufen." Die Idee zu dem Film sei aber trotzdem gut gewesen. "Und vor allem hat es ja auch total gut funktioniert."

© SZ vom 12.07.2012/wolf
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