Promotion:Unternehmungsberatungen legen Wert auf den Titel

Ob die Promotion sehr lange gedauert hat oder innerhalb von einigermaßen kurzer Zeit erledigt wurde: Auf jeden Fall braucht der frisch promovierte Akademiker erst einmal einige Zeit, um den Gehaltsrückstand zu Kollegen abzubauen, die mit ihrem Master oder Diplom schon seit Längerem Geld verdienen. "Richtig lohnend ist der Doktortitel frühestens mittelfristig. Das Gesamtlebenseinkommen liegt beim Doktor dann allerdings fast immer über dem von Menschen ohne diesen Titel", berichtet Matthias Neis, Bildungsexperte bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Das beurteilt Ulrich Goldschmidt, Geschäftsführer des Verbands "Die Führungskräfte" skeptisch, zumindest wenn man von den Einstiegsgehältern absieht. Sein Verband analysiert jedes Jahr aufgrund von Befragungen die Gehälter seiner 25 000 Mitglieder. "Früher gab es in vielen Unternehmen feste Regelungen, die vorschrieben, dass auf einer bestimmten Position ein Bewerber mit Doktortitel eine festgelegte Summe mehr bekommt. Da war der Titel oft tatsächlich mit einem Gehaltszuwachs verbunden. So ein Automatismus kommt heute so gut wir gar nicht mehr vor", sagt er.

Grund ist das veränderte Personalmanagement. Heute wird nicht mehr in erster Linie eine Person bewertet. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, inwieweit ein Bewerber auf eine vorher fest definierte Position passt, wie gut er oder sie eine bestimmte Funktion erfüllen kann.

In zahlreichen Unternehmen gilt eine höhere Bezahlung wegen eines Doktortitels inzwischen sogar als unpassend und problematisch. Das trifft vor allem auf internationale Konzerne oder auf Unternehmen mit vielen Standorten auf der Welt zu. "In Deutschland sind Doktortitel sehr verbreitet. In anderen Ländern ist das aber nicht so. Die Unternehmen bekämen ein Problem, wenn sie einem Doktor in Deutschland ein höheres Gehalt bezahlten als einem Kollegen aus den USA oder Brasilien, der dieselbe Funktion in seinem jeweiligen Land bekleidet", erläutert Goldschmidt. Von einem Doktortitel per se eine Besserstellung zu erwarten, passe einfach nicht mehr in eine Arbeitswelt, in welcher der Trend zunehmend weg von starren Hierarchien geht.

Gerne gesehen ist ein Doktortitel dagegen in Unternehmensberatungen. Viele dieser Firmen schickten oft noch sehr junge Mitarbeiter zu Kunden. Damit diese nicht den Eindruck bekämen, da wolle ihnen ein unerfahrener Grünschnabel erzählen, wie sie ihren Betrieb zu ändern hätten, legten viele Wert auf einen Doktortitel, meint Goldschmidt.

Einige Beratungsunternehmen ermöglichen es jungen Einsteigern deshalb auch, die Promotion im Job nachzuholen. Bei der Boston Consulting Group (BCG) nimmt mehr als ein Drittel der jungen Berater ein solches Weiterbildungsangebot an. "Consultants bei BCG haben die Wahl, ob sie schnell die nächste Karrierestufe erklimmen oder im Rahmen unseres Bildungsprogramms zunächst einen höheren akademischen Grad erlangen wollen. Das kann eine Promotion sein ebenso wie ein MBA oder PhD", sagt Carsten Baumgärtner, der bei BCG Deutschland für das Recruiting zuständige Partner. BCG suche immer Berater, die den Ehrgeiz mitbrächten, sich persönlich und fachlich schnell weiterzuentwickeln.

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