Doktor werden Kumulativ, extern, am Lehrstuhl - welche Arten der Promotion gibt es?

Im stillen Kämmerlein, als Mitarbeiter beim Doktorvater oder gemeinsam mit anderen - die Wege zum Doktortitel sind vielfältig. Wie sich die verschiedenen Promotionsvarianten unterscheiden und mit welchen Vor- und Nachteilen Doktoranden rechnen müssen.

Von Sabrina Ebitsch

Gut 25.000 Promovenden machen jedes Jahr ihren Doktortitel. Dorthin gebracht haben sie ganz unterschiedliche Arten zu promovieren.

Kumulative Promotion

Besonders in den Naturwissenschaften, aber auch in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ist die kumulative Promotion heute keine ungewöhnliche Variante mehr, den Doktortitel zu erwerben. Hier verbringt der Doktorand nicht Jahre damit, eine vollständige Arbeit zu schreiben, die dann als Gesamtpaket in Buchform veröffentlicht wird. Stattdessen werden Teilergebnisse seiner Forschungsarbeit und damit quasi Einzelkapitel der Dissertation als Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht. Zusammengenommen werden sie dann als Doktorarbeit beurteilt.

Wie viele Artikel es sein und in welchen Fachzeitschriften welcher Qualität sie veröffentlicht werden müssen, ist nicht einheitlich festgelegt. Möglich ist oft auch, dass der Doktorand zumindest bei einem Teil der Texte lediglich Ko-Autor war. Auch die thematisch zusammenhängende Bearbeitung einer übergreifenden Fragestellung ist keine zwingende Voraussetzung, die Artikel können auch unterschiedliche Forschungsfragen behandeln.

Angehende Doktoranden sollten sich vorab bei ihrer Hochschule erkundigen, welche Vorgaben zu erfüllen sind. In der Regel wird aber erwartet, dass zumindest ein Teil der Artikel in einer international beachteten, renommierten Zeitschrift veröffentlicht wurde oder das Potenzial dazu hat. Die Artikel müssen dann zwar noch nicht erschienen, aber in der Regel bereits eingereicht sein.

Die Artikel gibt der Doktorand mit einem einleitenden Text und einem Fazit - einer Rahmenschrift - versehen wie eine Monographie beim Prüfungsamt ab. Kumulativ Promovierende sparen sich damit nicht nur die Druckkosten für eine Buchpublikation, sie können auch davon ausgehen, dass ihre Arbeit durch die Zeitschriftenveröffentlichung mehr Leser findet als die traditionelle Dissertation. Junge Wissenschaftler können außerdem auf diese Weise schon früh auf sich aufmerksam machen.

Externe Promotionen

Die externen Promotionen stehen spätestens seit den Plagiatsaffären diverser promovierter Politiker in der Kritik: Doktoranden sehen sich dem Vorwurf ausgesetzt, nur halbherzig neben dem Beruf zu promovieren, ohne sich intensiv wissenschaftlich zu betätigen.

So zutreffend die Kritik mitunter sein mag, haben viele Promotionswillige oft keine Wahl: Sie haben keine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter, sodass sie parallel zur Doktorarbeit auch Geld verdienen müssen. Anderen ist der Berufseinstieg vielleicht bereits gelungen, ohne dass sie auf die Promotion verzichten möchten. Wieder andere haben das Glück, die Zeit der Promotion durch ein Stipendium finanzieren zu können und nicht auf die Institutsstelle angewiesen zu sein.

Bei einer externen oder Individualpromotion hat der Doktorand keine enge Anbindung an Institut und Lehrstuhl, arbeitet und lehrt dort nicht. Er arbeitet unabhängig und meist auf sich allein gestellt oft neben dem Beruf an seiner Dissertation. Häufig ist es schwierig, die Balance zu halten und über den beruflichen Anforderungen die Doktorarbeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Der Austausch mit dem Betreuer ist nicht so eng wie bei internen Promotionen, wo der Doktorand eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl hat. Oft gibt es aber Doktoranden- oder Oberseminare, in denen eine Diskussion über den Fortgang der Arbeiten und ein entsprechendes Feedback möglich sind, das bei externen Promotionen häufig fehlt. Verbreitet ist die externe Promotion vor allem in den Geisteswissenschaften, wo der Promovierende nicht - wie etwa für Experimente in den Naturwissenschaften - auf die Ausstattung der Hochschule angewiesen ist.

Interne Promotion am Lehrstuhl

Bei internen Promotionen, die am häufigsten in Deutschland sind, sind die Doktoranden meist an dem Institut angestellt, an dem auch ihr Doktorvater oder ihre Doktormutter lehrt. Neben ihrer Dissertation unterstützen sie den Professor in seiner wissenschaftlichen Arbeit und haben teilweise auch Lehraufträge, das heißt, sie unterrichten neben ihrer Dissertation auch Studenten.

Vor allem in den Naturwissenschaften, wo interne Promotionen häufig sind, ist die enge Anbindung an die Hochschule von Vorteil, weil der Doktorand dann Labor und technische Geräte für seine Arbeit nutzen kann.

Interne Doktoranden sind durch die Anstellung zwar in gewisser Weise abgesichert und bekommen ein festes Gehalt für eine Tätigkeit, die nicht fachfremd ist, sondern in Zusammenhang mit ihrer Dissertation steht. Oft müssen sie aber die Balance finden zwischen dem Schreiben ihrer Doktorarbeit und den Anforderungen ihrer Mitarbeit am Institut.