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Debatte um US-Lehrplan:Schulbücher, rechts gefärbt

Die Konservativen stören sich nicht nur an der verordneten Selbstkritik, sondern auch dort aufgeführten "Schlüsselkonzepten". Diese beschreiben beispielsweise die Wandlung des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan vom kalten Krieger mit hohen Militärausgaben zu einem "freundschaftlichen Verhältnis" zu Sowjet-Chef Michail Gorbatschow. Eine solche Sichtweise würde kein Republikaner teilen, weshalb die Partei das Dokument offiziell ablehnt. Der konservative Politiker Ben Carson, ein möglicher Präsidentschaftskandidat, erklärte gar: "Nach diesem Kurs würden die meisten Menschen bereit sein, sich dem Islamischen Staat anzuschließen."

Politiker in Oklahoma hatten zunächst ein Gesetz eingebracht, das den amerikanischen Exzeptionalismus, die Tradition des freien Marktes und die begrenzte Rolle der Regierung für den Lehrplan vorgeschrieben und damit AP de facto verboten hätte. Wie in anderen Staaten hatten jedoch Schüler und Lehrer protestiert, die Initiatoren zogen ihren Vorschlag zurück.

Die Kontroverse ist damit noch nicht ausgestanden. Im Gegenteil: Wie bereits bei der Frage nach der Rolle der Evolutionstheorie im Biologieunterricht wird die Schulbildung zum Politikum. Beiden gemein ist ebenfalls, dass plötzlich auch über eine größere Rolle der Religion bei der Auswahl des Lernstoffs gestritten wird.

Denker von John Locke bis Moses

Im vergangenen Herbst stimmte der Bildungsausschuss von Texas für aktualisierte Schulbücher, die dem Christentum eine auffällig prominente Rolle in der politischen Tradition des Westens eingeräumen. Vier Denker hätten beispielsweise die Gründungsväter beeinflusst, die Staatstheoretiker John Locke und Montesquieu, der britische Parlamentarier William Blackstone und: Moses. Andere Passagen waren deutlich rechts gefärbt: Die Aussage, dass die Sklaverei kein entscheidender Grund für den Amerikanischen Bürgerkrieg gewesen sei, wurde erst nach Protesten entfernt.

Die Demokraten fürchten nun, dass konservative Bundesstaaten einen neuen Geschichtsrevisionismus vorantreiben könnten. Skeptiker unter den Historikern prognostizieren, dass US-Schüler bald völlig unterschiedliche Versionen ihrer Landesgeschichte zu hören bekommen - je nach politischer Ausrichtung ihres Bundesstaates.

Ganz so weit ist es noch nicht, doch unter diesen Vorzeichen bekommt auch die Ablehnung gemeinsamer landesweiter Bildungsstandards für einige Fächer (der in 43 Bundesstaaten geltende "Common Core") durch die Republikaner eine andere Note. Die Debatte gilt als großes Thema für den Wahlkampf 2016 - die meisten republikanischen Präsidentschaftsanwärter haben sich bereits klar gegen eine Vereinheitlichung positioniert.