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Ferien-Debatte:Die lausigen Krisenmanager der Bildungspolitik

Coronavirus · Ausweitung der Notbetreuung

Frida steht in Hannover vor einem abgesperrten Eingangstor.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Die Sommerferien streichen, ernsthaft? Wenn der Politik nichts Besseres einfällt, hat das Virus schon gewonnen. In dieser Krise zeigt sich wieder einmal: Die Bedürfnisse von Kindern haben in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, kaum Gewicht.

Kommentar von Henrike Roßbach, Berlin

Deutschland ist bislang besser durch die Corona-Krise gekommen als viele andere Länder. Ganz Deutschland? Nein! In der Bildungspolitik hören die Verantwortlichen nicht auf, sich einen Ruf als wahrhaft lausige Krisenmanager zu erarbeiten. Und wäre es nicht so tragisch, man könnte glatt von Brauchtumspflege sprechen.

Seit dieser Woche gibt es hierzulande zwei Gruppen von Eltern. Die einen wissen nun, dass ihre Kinder bald in Schulen zurückkehren sollen, die kraft magischen Denkens mit Seife, sauberen Sanitäranlagen und viel Platz im Klassenzimmer ausgestattet sein werden. Okay, so ganz scheint das mit der Seife noch nicht klar zu sein, weshalb die Kultusministerien noch feilen müssen an einem Konzept, für das sie in den vergangenen fünf Wochen offenbar keine Zeit hatten.

Die anderen Eltern sind diejenigen, die bislang nur eines wissen: dass ihre Grundschul-, Kita- und Nicht-Abschlussjahrgangskinder noch wochenlang, vielleicht monatelang zu Hause bleiben müssen. Epidemiologisch mag es richtig, ja unverzichtbar sein, Schulen und Kitas nicht sofort und auch später nur Schritt für Schritt zu öffnen. Es ist aber nur eine Maßnahme, eine Strategie ist es nicht.

Der Finanzminister hat jüngst von der neuen Normalität gesprochen. Diese neue Normalität aber nur zu konstatieren, ist noch keine Politik. Es ist grob fahrlässig, dass die Entscheidung "Grundschulen und Kitas bleiben zu" einsam in der politischen Landschaft steht - ohne ein überzeugendes Begleitkonzept für einen Unterricht aus der Ferne, der mehr ist als ein Arbeitsblätterregen.

Die Krise zeigt erbarmungslos, was versäumt wurde in einem der reichsten Länder der Welt, das auf zehn Jahre Wirtschaftsboom zurückblickt: Die Schulen hinken digital hinterher, Fernunterricht könnte wahlweise an fehlenden Laptops oder ruckelnden Internetverbindungen scheitern, viele Schulen platzen aus allen Nähten, die Toiletten sind verdreckt. Die Kitagruppen sind zu groß, Erzieherinnen Mangelware, und generell haben die Rechte und Bedürfnisse der Kleinsten im Land kein besonderes Gewicht. Sie werden mitgemeint, aber nicht mitgedacht. Oder ist in jüngster Zeit schon mal ernsthaft thematisiert worden, dass es zwar nett für Joggingpartner ist, dass zwei Personen sich in der Öffentlichkeit treffen dürfen, dass ein Kind seine Freundin dadurch aber trotzdem nicht treffen darf, weil es ja nirgends alleine hinkann?

Nur eine Maßnahme, aber keine Strategie

Wo also sind sie, die unkonventionellen Ideen für Kleinstgruppenunterricht von fünf Kindern je Wochentag? Für Fernunterricht, wie er in anderen Ländern längst stattfindet? Das wäre nicht nur für diejenigen Kinder besser, die weiterhin nicht in die Schule dürfen, sondern auch eine Alternative zur Rückkehr der anderen in nicht wirklich vorbereitete Schulen. Wo ist die wenigstens stundenweise Betreuung für Kitakinder?

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Immerhin, für eine aufregende Idee hat es gereicht: Der Bundestagspräsident schlägt vor, die Sommerferien zu streichen, um den Unterricht nachzuholen. Frei nach dem Motto: Wir kriegen es zwar nicht hin, eure Kinder aus der Ferne zu unterrichten, aber hey, verreisen könnt ihr doch ohnehin nicht dieses Jahr. Ganz ehrlich: Wenn diesem Land nichts Besseres einfällt, hat das Virus zumindest in der Bildungspolitik schon gewonnen.

© SZ vom 18.04.2020/jsa
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