Bundeswehr-Unis:Antreten zum Studium

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Kleideranprobe bei der Bundeswehr: Seit 2001 dürfen Frauen an Bundeswehrhochschulen das Bachelor- und Masterstudium absolvieren.

(Foto: Sean Gallup/Getty Images)

Wer an einer der beiden Universitäten der Bundeswehr studiert, bezieht ein Gehalt - muss dafür aber einige Voraussetzungen erfüllen.

Von Bärbel Brockmann

Volle Hörsäle, überfüllte Seminare und lange Wartezeiten bei den Sprechstunden der Professoren gehören in vielen großen Universitäten zum Alltag der Studierenden. Das ist bei privaten Hochschulen häufig anders. Aber dort zu studieren kostet in der Regel viel Geld.

An den beiden Bundeswehrhochschulen in Hamburg und München ist die Betreuungsrelation sehr günstig. In Hamburg kommen beispielsweise auf einen Professor nur 24 Studenten. In öffentlichen Universitäten müssen sich die Professoren durchaus um drei- oder viermal so viele Studenten kümmern. Diese komfortable Situation kostet nichts. Im Gegenteil: Wer sein Studium bei der Bundeswehr im Rahmen der Offizierausbildung absolviert, erhält vom ersten Semester an ein Gehalt.

An der Universität der Bundeswehr München und der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg kann man in der Regel nur in Verbindung mit der Offizierausbildung studieren. Die Ausnahme: Als Industriestipendiaten haben auch Zivilisten die Möglichkeit, sich an einer der beiden Universitäten einzuschreiben.

Die Studiengänge der Bundeswehrunis haben die gleichen Inhalte wie an den übrigen Hochschulen im Land. Der Lehrbetrieb verfügt über die gleichen Strukturen wie außerhalb. Die akademischen Grade, welche die Bundeswehrunis vergeben, entsprechen denjenigen anderer Hochschulen, in der Mehrzahl sind es Bachelor- und Mastertitel. Für diese Titel braucht der Student dieselbe Anzahl von sogenannten Credit Points oder Leistungspunkten wie bei einem Abschluss an anderen Hochschulen. Auch Promotionen sind möglich.

Mehr als 5000 Studierende lernen an den Bundeswehrunis

Im Unterschied zu staatlichen Hochschulen erreicht ein Student einen Masterabschluss schon nach vier Jahren, während andernorts fünf Jahre die Regel sind. Das liegt daran, dass das Studienjahr bei der Bundeswehr nicht in Semester, sondern in Trimester eingeteilt ist. Die Studierenden haben statt zwei nur eine vorlesungsfreie Zeit, in der sie studiengebundene Praktika oder andere Kurse absolvieren müssen. Der Lehrstoff wird komprimierter vermittelt.

In Hamburg studieren zurzeit circa 2300 Studenten in 26 Studiengängen aus den Bereichen Technik, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften. Ungefähr hundert Professoren und einige Hundert Uni-Angestellte kümmern sich um die Studenten. "Bei uns ist der Master der Regelabschluss. Wer hier anfängt zu studieren, weiß, er oder sie bekommt einen Masterstudienplatz, wenn das Bachelorstudium geschafft ist", sagt Pressesprecher Dietmar Strey. In München studieren aktuell circa 2800 Studenten. Auch hier gilt das Kleingruppenprinzip, die Nähe zum Professor ist für die Studenten immer gegeben. Dass beim Studium an den Bundeswehrunis aufs Tempo gedrückt wird, hat einen Grund. Sie sind sogenannte Bedarfsuniversitäten. Die Bundeswehr bildet hier die Fach- und Führungskräfte aus, die sie in ihren drei Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe, Marine und deren militärischen Organisationsbereichen braucht.

"Die militärischen Führer sollen sehr jung sein"

Die Bundeswehr möchte die jungen Leute möglichst früh einsetzen können. Denn nach der Ausbildung sind sie in der Regel nur sechs Jahre bei der Truppe. Das hat damit zu tun, dass ein Studium bei der Bundeswehr integraler Bestandteil der Offizierausbildung ist und man sich dafür für 13 Jahre Dienst bei der Bundeswehr verpflichten muss.

Die Ausbildung zum Offizier dauert insgesamt sieben Jahre. Üblicherweise funktioniert die Offizierausbildung so: Nach dem Abitur bewirbt man sich bei der Bundeswehr für diese. Wird man nach einem Auswahlverfahren für tauglich gehalten, durchläuft man eine 18-monatige Ausbildung an einer Offizierschule sowie in einem Offizieranwärterbataillon. Bestandteil dieser Ausbildung ist ein dreimonatiger Englisch-Intensivkurs, denn die Bundeswehr ist in internationale Strukturen eingebunden, und die Geschäftssprache dort ist Englisch. Ein Truppenpraktikum gehört zu dieser "Grundausbildung".

Danach kommt man an die Bundeswehrhochschule. Nach dem Master wird über den Einsatz des jungen Offiziers entschieden, in der Bundeswehrsprache heißt das, über seine "Verwendung". Dabei spielen der Bedarf der Truppe, die Eignung des jungen Menschen und sein persönliches Interesse eine Rolle. Es folgen noch einmal anderthalb Jahre gezielte Ausbildung für den vorgesehenen Job. Nach den 13 Pflichtdienstjahren verlassen etwa 80 Prozent der jungen Offiziere die Bundeswehr, der Rest schlägt eine Laufbahn als Berufssoldat ein. "Das ist so gewollt. Die militärischen Führer sollen sehr jung sein, weil auch körperliche Anforderungen an sie gestellt werden. Wenn alle blieben, würde die Bundeswehr schnell überaltern", sagt Strey von der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg.

Die jungen Offiziere haben es in der Regel leicht, im zivilen Leben einen Job zu bekommen. Wenn sie nach 13 Jahren mit Anfang 30 die Truppe verlassen, sind sie ihren Altersgenossen nicht unbedingt fachlich, dafür aber in puncto Führungserfahrung oft überlegen. "Schon als Offizieranwärter trägt man vom ersten Tag an Verantwortung. Ich hatte schon als 23-Jähriger Personalverantwortung bekommen", sagt Norman Westphal. Der heute 36-Jährige hat an der Bundeswehruniversität Hamburg BWL studiert. Danach fing er bei den Asklepios-Kliniken als Trainee an und bekam kurze Zeit später schon die Leitung einer Klinik anvertraut. "Meine Kameraden haben alle etwas gefunden, was von der Verantwortung und Stellung mindestens gleichwertig ist mit dem, was sie zuletzt gemacht haben", sagt Westphal.

Seit die Bundeswehr 2001 in allen Laufbahnstufen für Frauen geöffnet wurde, können auch Frauen Offiziere werden und daher auch an den Bundeswehrhochschulen studieren. Ihr Anteil an den Studierenden liegt in Hamburg aktuell bei 15,1 Prozent, in München etwas niedriger. "Wir sehen seit 2001 einen konstanten Anstieg der Anzahl der Soldatinnen und auch der weiblichen Offiziere", sagt Matthias Gebler vom Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr. Anfang 2017 taten gut 5000 Soldatinnen Dienst als Offiziere. Die Zahl der männlichen Offiziere lag aber mit knapp 37 000 noch deutlich höher. Langfristig ist es das Ziel, sowohl in der Gesamtzahl der Soldatinnen als auch bei den weiblichen Offizieren eine Quote von 20 Prozent zu erreichen.

Reizvoll erscheint die finanzielle Ausstattung der Studierenden. Denn schon mit der Aufnahme in die Bundeswehr bekommen sie vom ersten Tag an ein Gehalt. Das steigt mit dem Dienstgrad, und dieser mit den Jahren der Truppenzugehörigkeit. "Ein Student, der in den letzten Zügen seines Masterstudiums ist, kann schon Leutnant sein und dann bekommt er im Monat circa 2000 Euro netto", sagt Strey. Wegen der "freien Heilfürsorge" für die Soldaten entstehen auch keine Kosten für die Krankenversicherung. Und das Zimmer im Studentenwohnheim ist auch umsonst.

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