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Blog zu Referendaren:Zwischen den Ferien hat man ganz schön viel Schule

Klar, es gibt auch die anderen Referendare, die sich das alles ganz anders vorgestellt hatten. Die Lehrer geworden sind, weil sie nicht wussten, was sie sonst machen sollten. Die vor allem einen sicheren Job gesehen haben und ernsthaft erstaunt und vollkommen überfordert sind, wenn sie merken: Zwischen den vielen Ferien hat man auch ganz schön viel Schule - und Schule bedeutet Schüler.

Viele merken sogar selbst, dass sie im Lehrerberuf an ihre Grenzen stoßen. Aber nach bis zu sechs Jahren Studium was anderes machen? Undenkbar! Und so quälen sie sich und die Schüler und letztlich ganze Kollegien durch den Schulalltag. Schlimmer sind nur noch die, die nicht realisieren, dass etwas schief läuft, und beratungsresistent sind: "Wieso, ist doch okay, wenn Tobi und Larissa sich gegenseitig über die Tische schubsen - das sind halt Kinder!"

Manchmal bleibt den betreuenden Lehrern in solchen Fällen nichts anderes, als ganz offen zu sagen: "Sie sind für diesen Beruf nicht geeignet, lassen Sie uns doch gemeinsam nach Alternativen suchen."

Schokoselige Ruhe

Inzwischen bin ich selbst Seminarlehrerin und kann sagen: Ich hatte bis jetzt immer Glück mit meinen Referendaren. Bei meiner aktuellen Referendarin habe ich mir beispielsweise abgeguckt, wie man das leidige Problem mit der Gruppeneinteilung elegant und vor allem geräuschlos lösen kann. Normalerweise geht das nicht ohne Geschrei, denn aus Lehrersicht mag es total Sinn machen, Maja und Leonie zu trennen - doch die "allerbesten Freundinnen für immer" würden ob dieser pädagogischen Zwangsmaßnahme am liebsten den Gerichtshof für Menschenrechte anrufen.

Meine Referendarin hat Maja, Leonie und die anderen Siebtklässler beim letzten Mal einfach Schokoriegel ziehen lassen. Die mit derselben Sorte waren in einer Gruppe. Und es war schokoselige Ruhe.

© SZ.de/jobr/leja/rus

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