Bildungsbarometer #MeToo sollte Thema an den Schulen sein

Das ifo Bildungsbarometer 2018 beschäftigt sich unter anderem mit Geschlechterrollen in der Schule.

(Foto: dpa)
  • Das Münchner Ifo-Institut veröffentlicht sein jährlich erscheinendes Bildungsbarometer.
  • Der Themenschwerpunkt liegt diesmal bei Geschlechterrollen in Unterricht und Gesellschaft.
  • Viele Befragte wünschen sich, dass Gleichstellung von Mann und Frau, aber auch Machtmissbrauch von Männern gegenüber Frauen an Schulen thematisiert werden.
Von Matthias Kohlmaier

Sind Männer und Frauen in Deutschland wirklich gleichgestellt? Was ist sexuelle Belästigung und was nicht? Braucht es Geschlechterquoten an Schulen, Unis und im Job? All das sind Fragen, die spätestens seit Beginn der #MeToo-Debatte in großen Teilen der Gesellschaft diskutiert werden. Und viele Menschen sind auch der Meinung, dass es Fragen sind, die im Schulunterricht einen Platz haben sollten. Das zeigt das ifo Bildungsbarometer 2018.

Für die repräsentative Studie hat das Münchner Institut 4000 Erwachsene und erstmals auch 1000 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren befragt. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Gleichstellung in den Unterricht

Die befragten Männer und Frauen sind sich zwar nicht bei allen Themen einig, bei diesem aber sehr wohl. Dreiviertelmehrheiten sind in beiden Gruppen dafür, dass im Schulunterricht Gleichstellung, Gewalt und Machtmissbrauch von Männern gegenüber Frauen und sexuelle Belästigung behandelt werden. Das sehen auch die Jugendlichen so, wobei wie bei den Erwachsenen auch hier die Zustimmung unter den männlichen Befragten etwas geringer ist als unter den weiblichen.

Wie viel Sex gehört in die Schule?

Lehrer sollen mit Kindern über sexuelle Belästigung sprechen und können Klassen künftig nicht mehr einfach in Jungen und Mädchen unterteilen. Wie sie damit umgehen können, erklärt Genderexpertin Juliette Wedl. Interview von Larissa Holzki mehr ...

Dass eine öffentliche Debatte über sexuelle Belästigung geführt wird, finden deutliche Mehrheiten richtig. Sexuelle Belästigung in Deutschland sehen darüberhinaus 45 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer als ernsthaftes Problem (den Jugendlichen wurde diese Frage nicht gestellt). Für kein oder ein kleines Problem halten es 22 Prozent der Frauen, aber 37 Prozent der Männer.

Eine breite Mehrheit ist außerdem dafür, dass Sexualkundeunterricht von der Grundschule an erteilt wird. 64 Prozent der Männer sowie 70 Prozent der Frauen sprechen sich auch dafür aus, dass sexuelle Vielfalt an den weiterführenden Schulen thematisiert wird.

Klares Nein zur Geschlechtertrennung an den Schulen

Die Deutschen wünschen sich, dass Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet werden - unabhängig vom Schulfach. Nach Geschlechtern getrennten Unterricht in Mathematik und Sprachen lehnen die Erwachsenen wie auch die Jugendlichen entschieden ab. Auch beim Sport können sich viele Befragte ein Miteinander vorstellen. Ausnahme sind die jungen Frauen: 54 Prozent von ihnen möchten lieber ohne die Jungs Sportunterricht haben.

Dem Ausbau von getrennten Schulen lehnen deutliche Mehrheiten der Frauen und Männer ebenfalls ab. Sowohl bei den Grund- wie auch bei den weiterführenden Schulen sind um die 70 Prozent der Befragten gegen die Einrichtung weiterer reiner Jungen- oder Mädchenschulen.