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Bildung:Der Erhalt von Sonderschulen führt zum Erhalt von Sonderschülern

Nicht die Inklusion ist gescheitert, die "Pseudo-Inklusion" ist gescheitert. Deshalb muss die Inklusionspolitik dringend umsteuern. Sie muss nachholen, was sie bislang vermissen ließ:

1. Ein klares bildungspolitisches Bekenntnis zum Primat der Inklusion. Die gegenwärtige Politik ist der völkerrechtlichen Verpflichtung zum Aufbau eines inklusiven Schulsystems bislang nicht in überzeugender Weise nachgekommen; sie ist halbherzig und unglaubwürdig.

2. Ein klares Bekenntnis zum Abbau der Separation und zum progressiven Rückbau des Sonderschulsystems.

Schule Wie Nordrhein-Westfalen die Inklusion umkrempelt
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Wie Nordrhein-Westfalen die Inklusion umkrempelt

Regelschulen entlasten, Sonderschulen erhalten: Der Umgang mit behinderten Kindern hängt vom Parteibuch ab.   Von Susanne Klein

3. Eine Verpflichtung aller Schulen zur Inklusion. Sie darf sich nicht auf Schwerpunktschulen reduzieren und auch nicht auf Haupt- und Gesamtschulen.

4. Eine Änderung der Ressourcensteuerung. Die sonderpädagogische Ressourcenbeschaffungsdiagnostik muss an die Kette gelegt, die Etikettierungsschwemme eingedämmt werden. Statt Ressourcen pro Kopf zuzuweisen, sollten sie systemisch an der Gesamtschülerzahl sowie den Prävalenzraten von Behinderungen orientiert und mit einem Sozialindex für schulische Einzugsbereiche verknüpft werden.

Was ist vor diesem Hintergrund von der "Neuausrichtung der Inklusion" in Nordrhein-Westfalen zu halten? Die Schulministerin des Landes will "ein möglichst breites Förderschulangebot" haben und die Inklusion in Schwerpunktschulen verlagern. Statt die Regelschule/n am Wohnort inklusiv auszubauen, setzt NRW nun auf "ein wohnortnahes Förderschulangebot". Um diese Kehrtwende zu untermauern, wird Förderschulen erlaubt, noch kleiner als bisher zu sein. Etwa 40 Sonderschulen sollen auf diese Weise reanimiert oder vor ihrer Schließung bewahrt werden.

Man muss kein Hellseher sein: Der Erhalt von Sonderschulen führt zum Erhalt von Sonderschülern - Kindern, die von "normalen" Schulen weiter ferngehalten werden. Der Primat der Inklusion weicht einem Primat der Separation; NRW zementiert das Sonderschulwesen als System. Das Land wird in erwartbarer Zeit mit einer beschämenden Separationsquote von sich reden machen. Und das unter der Flagge der Inklusion. Politik paradox!