Bildung - Hamburg:Entwürfe für neue Bildungspläne vorgelegt

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Ausbildung
Schwamm und Kreide liegen in einem Klassenraum unter einer Tafel. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild (Foto: dpa)

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Hamburg (dpa/lno) - Hamburgs Schulbehörde hat erste Entwürfe für die neuen Bildungspläne der Grund- und Stadtteilschulen sowie der Gymnasien vorgelegt. "Die neuen Pläne berücksichtigen jetzt in allen Fächern deutlich stärker die Themenfelder "Digitalisierung", "Bildung für nachhaltige Entwicklung" und "Wertebildung" sowie die Sprachförderung", sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Donnerstag. Sie seien zudem passgenauer auf Vorgaben der Kultusministerkonferenz für die einzelnen Fächern und das Abitur abgestimmt.

Rabe betonte, bei den Plänen handele es sich um einen Referentenentwurf, der nun breit diskutiert werden solle. "Ziel ist, dass in den nächsten drei Monaten die Diskussion geführt wird, wir dann die zahlreichen Rückmeldungen in die künftigen Bildungspläne einbinden und sie in den Herbstferien veröffentlichen", sagte Rabe. In Kraft treten sollen sie dann zum Schuljahr 2023/24.

Die neuen Bildungspläne berücksichtigen den Angaben zufolge die zahlreichen neuen, länderübergreifenden Vorgaben der Kultusministerkonferenz für die einzelnen Fächer und für das Abitur. Dabei gehe es auch um eine Angleichung in allen Bundesländern. Deswegen, aber auch wegen Beschwerden vieler Eltern und Schüler über erhebliche Unterschiede im Unterricht zwischen einzelnen Hamburger Schulen, sollen nun konkrete Unterrichtsinhalte in die Bildungspläne geschrieben werden. Die bisherige Kompetenzorientierung sei deshalb um sogenannte Kerncurricula ergänzt worden.

"Wir stellen doch mit einer gewissen Sorge fest, dass Hamburgs Schülerinnen und Schüler (...) gerade bei den Abschlussprüfungen in der Regel deutlich schwächere Leistungen zeigen als insgesamt in der Schulzeit", sagte Rabe. Deshalb sollen die schriftlichen Prüfungen künftig besser geübt werden. Mehr Klausuren soll es aber nicht geben - es bleibe bei drei schriftliche Prüfungen in Deutsch pro Halbjahr, jeweils zwei in den Hauptfächern und jeweils einer bei den übrigen Fächern.

"Wichtig ist, dass diese Klausuren auch geschrieben werden", betonte Rabe. Sogenannte Ersatzleistungen wie Referate oder Vorträge sollten deshalb nicht mehr stattfinden. Diese Möglichkeit sei nicht sinnvoll, sagte der Senator. Darüber hinaus sollen die Schülerinnen und Schüler künftig in jedem Halbjahr mindestens zwei Klassenarbeiten unter Einbeziehung des Computers schreiben.

Anders als bisher sollen zudem die Klausuren gegenüber den mündlichen Leistungen auch wieder mehr Gewicht erhalten. In der Vergangenheit habe sich eingebürgert, dass bei der Gesamtnote das Mündliche 60 Prozent und die schriftlichen Leistungen 40 Prozent zählten. Das sei aber gegenüber bedächtigen und zurückhaltenden Schülerinnen und Schülern ungerecht, die sich nicht sofort immer im Unterricht meldeten.

"Deswegen haben wir zumindest gesagt, in den Hauptfächern hätten wir jetzt gerne ein 50/50", sagte Rabe. Bei Fächern, in denen nur eine Klausur pro Halbjahr geschrieben werde, solle es jedoch beim Verhältnis mündlich/schriftlich bei 70 zu 30 bleiben.

Bildungspläne legen fest, welche Ziele und Inhalte in jedem einzelnen Schulfach und jeder Jahrgangsstufe unterrichtet werden sollen. Aufgrund der Vielfalt der Fächer und Schulformen gibt es insgesamt 102 Bildungspläne, die zusammen mehr als 6000 Seiten umfassen.

Die bisherigen Bildungspläne sind inzwischen zwölf Jahre alt und werden aufgrund eines Bürgerschaftsbeschlusses zum Schulfrieden aus dem Jahr 2019 erneuert. Aktuell geht es um die Bildungspläne der Grundschule, der gymnasialen Oberstufe und der Hauptfächer in der Mittelstufe. Die restlichen Bildungspläne folgten im kommenden Jahr.

Die Linken-Schulexpertin in der Hamburgischen Bürgerschaft, Sabine Boeddinghaus, forderte unter Verweis auf die Wünsche von Lehrerverbänden einen Schwerpunkt inklusiver Bildung in den neuen Bildungsplänen. "Besonders jetzt, wo die Kinder und Jugendlichen psychisch so belastet sind, muss Bildung von den Kindern her gedacht und entwickelt werden." Die geplante Festlegung auf Kerncurricula und verpflichtende Inhalte sei ein pädagogischer Rückschritt, der die schulische Bildung verschlechtern werde. "Ich fordere ein sofortiges Moratorium der Überarbeitung der Bildungspläne", sagte Boeddinghaus.

AfD-Fraktionsvize Alexander Wolf sagte, wenn Schüler lediglich zum "richtigen" rot-grünen Klassenstandpunkt gelenkt werden sollen, sei das der falsche Weg. "Wir brauchen keine ideologisierten Schüler, die akkurat gendern und das grüne Wahlprogramm rezitieren können, sondern haben einen großen Bedarf an Ingenieuren, Technikern und Handwerkern."

© dpa-infocom, dpa:220324-99-651460/3

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