bedeckt München 19°
vgwortpixel

Bewerbung für ein Stipendium:Wie läuft das Auswahlverfahren ab?

Von der Klausur bis zum Assessment-Center: Nach der schriftlichen Bewerbung für ein Stipendium müssen die Kandidaten die stressigen Auswahlverfahren der Stiftungen überstehen. Belohnt werden sie mit renommierten Förderprogrammen - wenn sie einige wesentliche Punkte beachten.

Wenn die Bewerbung für ein Stipendium im Briefkastenschlitz verschwunden ist, geht das Warten, Hoffen und Bangen los: Reicht es nur für eine höfliche Standard-Absage oder hat sich die Mühe gelohnt?

Bei manchen Stiftungen stapeln sich in regelmäßigen Abständen die Bewerbungsmappen auf den Schreibtischen der Mitarbeiter, bei anderen trudeln alle paar Monate vereinzelte Schreiben ein. Wie es danach weitergeht, handhaben die Stiftungen ganz unterschiedlich. Bei kleineren Stipendiengebern ist es oft mit einem einstufigen Auswahlverfahren getan: Auf Basis der Bewerbungsunterlagen wird gemäß der jeweiligen Förderkriterien entschieden, welcher Bewerber den Zuschlag erhält - da können manchmal schon Wohnort oder Einkommensnachweis ausschlaggebend sein.

Insbesondere in der Begabtenförderung dient die schriftliche Bewerbung aber nur einer Vorauswahl. Die Bewerber, die mit ihren Zeugnissen, ihrem Lebenslauf und ihrem Motivationsschreiben überzeugen konnten, kommen in die zweite Runde eines breiter angelegten Auswahlverfahrens. Hier wollen die Vertreter der Stiftung die Kandidaten in der Regel persönlich kennen lernen.

Je nach Organisation erwarten sie ein oder mehrere Vorstellungsgespräche mit Vertrauensdozenten, ehemaligen Stipendiaten oder Mitarbeitern der Stiftung - wie etwa bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Bei anderen Stiftungen werden die Bewerber zu Prüfungen vor Ort gebeten, wo - wie etwa bei der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung - Klausuren oder Essays geschrieben werden und Gespräche mit einem Stiftungsvertreter oder einer Kommission anstehen.

Die Studienstiftung des deutschen Volkes lädt zu einem Auswahlwochenende mit Präsentationen und anschließenden Diskussionsrunden und zwei persönlichen Gesprächen. Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft veranstaltet ein Assessment-Center, das das Schreiben eines Aufsatzes, ein Einzelgespräch, eine Gruppenarbeit und Präsentation umfasst. Bei den meisten Stiftungen kann man sich auf den Webseiten informieren, was einen im Auswahlverfahren erwartet.

Weil die Anforderungen so unterschiedlich sind, müssen sich die Bewerber entsprechend individuell vorbereiten. In jedem Fall ist es hilfreich, Motivationsschreiben und Lebenslauf vorher noch einmal gründlich durchzulesen und die Stationen des eigenen Werdegangs zu reflektieren: Warum habe ich erst ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht, anstatt gleich zu studieren? Warum habe ich in der Kollegstufe aufgehört, die Jugendgruppe zu leiten?

Außerdem sollte man sich mögliche Nachfragen und dazu passende Antworten überlegen - besonders, wenn Brüche oder Defizite offenkundig werden. Auch über Pläne und Ziele für das Studium und die Zeit danach muss man sich spätestens jetzt Gedanken machen. Weil die Stiftungen erwarten, dass der Bewerber ein solides Allgemeinwissen mitbringt und sich - im persönlichen Gespräch und erst recht in Diskussionen - zu aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Themen äußern kann, sollte er in den Wochen vorher intensiv Zeitung und (Fach-)Zeitschriften lesen, TV-Nachrichten und politische Magazine schauen.