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Bericht zur staatlichen Ausbildungsförderung:Mehr Bafög als je zuvor

Die Zahl der Schüler und Studierenden, die für ihre Ausbildung Finanzhilfe vom Staat beziehen, steigt stark. Auch die Ausgaben für das Bafög sind auf Rekordniveau. Davon spüren die Empfänger allerdings kaum etwas. Die Gründe: steigende Lebenshaltungs- und vor allem Mietkosten.

Die Zeit der Ausbildung stellt Familien vor finanzielle Herausforderungen, die nicht immer selbst geschultert werden können. In solchen Fällen springt der Staat mit dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, kurz: Bafög, ein. An diesem Mittwoch stellt die Bundesregierung ihren jüngsten Bericht zur staatlichen Finanzhilfe für Schüler und Studierende vor - demnach sind die Höhe der Ausgaben und die Zahl der Bezugsberechtigten auf Rekordniveau.

Wie die Welt vorab unter Berufung auf den Bericht schreibt, der noch am Mittwoch vom Kabinett verabschiedet werden soll, investierte Deutschland 2012 insgesamt 3,34 Milliarden Euro ins Bafög. 2010 waren es noch 2,84 Milliarden Euro. Die Ausgaben werden von Bund und Ländern gemeinsam getragen - allerdings ist die Finanzlast nicht gleich verteilt, was immer wieder für Streit sorgt. So schulterte der Bund den Löwenanteil des Betrages, nämlich 2,17 Milliarden Euro.

Der Bericht vermeldet noch einen weiteren Rekord: Auch die Zahl der Bafög-Berechtigten ist auf dem höchsten Stand seit Einführung der Finanzhilfe 1971. Mehr als 1,5 Millionen Schüler und Studierende hätten 2012 Anspruch auf Unterstützung gehabt. Das hat vor allem mit der letzten "kleinen" Bafög-Reform 2010 zu tun: Damals wurde das Höchstalter auf 35 Jahre (für Masterstudierende) heraufgesetzt, außerdem erhöhte die damalige Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Freibeträge für Eltern. Beides hatte zur Folge, dass sich der Kreis der Bezugsberechtigten vergrößerte.

Mehr Studierende als Schüler bekommen Bafög

Allerdings, so schreibt die Welt unter Berufung auf den Bericht, nähmen längst nicht alle Schüler und Studierenden das Angebot in Anspruch. Verantwortlich dafür seien vor allem die bürokratischen Hürden bis zur Genehmigung. Demnach bekamen im Jahresdurchschnitt 2012 insgesamt nur 630.000 junge Menschen Bafög - wobei auch das der höchste Wert seit 30 Jahren ist. Der größere Teil der Bezieher befindet sich dabei im Studium (440.000), der kleinere in der Schule (189.000).

Bei den Studierenden ergibt sich im Vergleich zu 2010 ein Plus von 14 Prozent. Hintergrund der wachsenden Zahl an angehenden Akademikern, die staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen, dürften die steigenden Lebenshaltungskosten sein. Der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zufolge sind vor allem die Wohnkosten für die jungen Menschen drückend. Durchschnittlich geben Studierende demnach 34 Prozent ihres ohnehin schmalen Einkommens (durchschnittlich: 864 Euro) für die Miete aus.

Auch das Bafög erlaubt keine großen Sprünge: Die Rekordausgaben erklären sich hauptsächlich durch die höhere Zahl der Empfänger - die durchschnittlichen Fördersummen stiegen dagegen nur marginal. So bekam ein Studierender 2012 im Durchschnitt 448 Euro (2010: 436 Euro), ein Schüler 401 Euro (2010: 357 Euro).

Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen hatte sich die für Wissenschaft, Bildung und Forschung zuständige Arbeitsgruppe aus SPD- und Unionspolitikern eigentlich auf Erhöhungen bei der Ausbildungsförderung verständigt. Das Vorhaben wurde dann aber aus dem Koalitionsvertrag gestrichen. Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) machte sich im November dennoch dafür stark, in eine Bafög-Reform zu investieren. Die Finanzierungsfrage ließ Wanka jedoch weitgehend offen - wohl aus gutem Grund: Genau daran waren Reformbemühungen in der Vergangenheit gescheitert.

Linktipps: Wissenswertes rund ums Bafög finden Interessierte in dieser Broschüre des Bildungsministeriums. Wer wissen will, wie viel Geld er bekommen könnte, kann seinen voraussichtlichen Fördersatz mithilfe eines Bafög-Rechners bestimmen.

© SZ.de/AFP/jobr/mkoh/rus
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