Ausländische Studenten in München:Alles in bester Ordnung

Sehr ordentlich, sehr sauber, sehr organisiert: Wie sechs Studenten aus dem nahen und fernen Ausland ihren Studienalltag in München erleben.

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Was das Studentenleben in München angeht, ist der Italiener Armando Di Campli schon ein alter Hase. Der 24-Jährige aus Pescara nahe Rom verbringt bereits sein drittes Semester an der Technischen Universität (TU) in Garching, wo er den Doppel-Diplomstudiengang Maschinenbau absolviert.

Für München hat er sich entschieden, weil er den guten Ruf der TU schätzt und hier viele Auswahlmöglichkeiten für eine spätere Berufswahl sieht. Dass die meisten Kurse auf Deutsch gehalten werden, macht Di Campli manchmal ein wenig zu schaffen, doch seien die Professoren und Mitarbeiter sehr hilfsbereit, berichtet er. "Außerdem sind die Prüfungen ja immer schriftlich, das fällt mir leichter - in einem Fach wie Jura wäre es schwieriger, da muss man mehr reden."

In der Stadt hat sich Armando gut eingelebt; er kann sich sehr gut vorstellen, nach seinem Studienabschluss noch einige Jahre in München zu arbeiten. Bei der nächsten Job-Messe will er sich schon einmal über die Firmen in der Region informieren. Solange jobbt er in der Studentenkneipe "C2" auf dem Campus in Garching.

Besonders in der Pizzawoche ist sein Know-how dort sehr gefragt. "Vergangenes Wochenende war meine Freundin aus Mailand zu Besuch, sie hat auch gleich mitgeholfen", sagt Di Campli und lacht dabei. Auch an das Wetter in München hat er sich gewöhnt - einzig den deutschen Kaffee findet er doch "sehr anders" als das, was er von zu Hause kennt. "Schmeckt eher wie Wasser", sagt Di Campli. Auswärts bleibt er daher lieber bei Schwarztee.

(Text: Irmengard Gnau)

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Schnee hat Bruno Cordeiro das erste Mal in München gesehen - seine Heimat Brasilien hatte er bis zu seinem Auslandsjahr nie verlassen. "Hier wird jede Jahreszeit geschätzt, das finde ich sehr interessant", erzählt der Wirtschaftsingenieur-Student. Ob Grillen im Sommer oder Skifahren im Winter: Es gebe immer eine Aktivität. "Besonders der Sommer ist sensationell - was die Stadt alles bietet, ein Festival nach dem anderen!", schwärmt der 24-Jährige, der in München am liebsten im Olympiapark mit dem Fahrrad unterwegs ist.

Als der Student aus Rio de Janeiro den aufwendigen Bewerbungsprozess gemeistert hatte, bekam er ein Stipendium für zwei Semester an der Hochschule München (HM). Bei seiner Ankunft im März war schon alles für ihn vorbereitet. "Die HM hatte eine Wohnung für mich organisiert und hat mir beim Einleben geholfen. Es war toll für mich, so gut betreut zu sein."

Bruno suchte den Kontakt zu Deutschen von Anfang an und arbeitete unter anderem in einem Freizeitcamp am Starnberger See als Jugendbetreuer. "Die Kultur ist schon unterschiedlich, aber inzwischen kann ich gut Deutsch und bin integriert."

Derzeit macht er ein Praxissemester bei Continental, wo er in seinem Chef einen "deutschen Vater"gefunden hat. "Ich war schon oft bei ihm zu Hause und bin fast wie ein Familienmitglied." Im Februar geht Bruno nach Brasilien zurück - und er hat fest vor, wiederzukommen. "Die Lebensqualität ist hier so gut, die Sicherheit, die öffentlichen Transporte." Brunos Traum: Eines Tages bei BMW zu arbeiten.

(Text: Laura Martin)

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Giulia Gianis Auslandssemester startete mit Schwierigkeiten: "Ich war den ganzen September verzweifelt, weil ich keine Wohnung gefunden habe", erzählt die Italienerin aus Turin. Den Erasmus-Studienplatz im LMU-Studiengang Geschichte zu bekommen, war dafür umso leichter: Sie war die einzige von ihrer Heimatuniversität, die sich dafür beworben hatte.

Untergekommen ist sie dann schließlich in einem Studentenwohnheim, wo sie bis Oktober bleiben kann. Dann geht die Wohnungssuche wieder los - Giulia möchte ihr Studium in Deutschland fortsetzen. "Ich möchte auch beruflich an der Uni bleiben, wenn möglich in Deutschland", sagt die 21-Jährige. "Hier ist es so entspannt, und alle Professoren sind so freundlich."

Dass die Dozenten ihre Studenten mit Namen kennen, habe sie überrascht. Aus ihrer Heimat kennt sie nur unpersönliche Vorlesungen mit 500 Studenten. Und ein Sportangebot, wie die Münchner Universitäten es im Olympiapark bieten, gebe es in Turin auch nicht. Das sind nicht die einzigen Unterschiede. München als nördlichste Stadt Italiens? Da muss Giulia lachen. "Nein, das stimmt nicht. München hat nichts mit Italien zu tun, dafür ist es hier viel zu ordentlich und sauber!" Es gebe kaum ein hässliches Viertel in München, überall sei es aufgeräumt und ruhig.

"Wunderschön", sagt sie - ein Wort, das sie oft benutzt. Feste Freunde hat sie hier noch nicht gefunden; besonders zu Beginn haperte es an der Sprache. Da die Deutschen aber viel freundlicher seien als erwartet, bleibt sie optimistisch.

(Text: Laura Martin)

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München ist ein gelungenes Beispiel für eine Stadt, die alte Geschichte und Moderne vereint", sagt Xiang Liu aus China. Der 24-Jährige studiert im dritten Semester Germanistik an der LMU. Diese Studienwahl ist Xiang quasi in die Wiege gelegt, sein Vater hat in China Weltliteratur studiert. "Ich war schon als Kind fasziniert von dieser Literatur, besonders auch der deutschen", sagt Xiang. "Daher hatte ich schon früh den Wunsch, einmal hier zu studieren." Nach seinem Bachelorabschluss in Diplomatie in seiner Heimatstadt Guangzhou in der Nähe von Hongkong machte er sich daher auf nach Europa.

Unter den überwiegend deutschen Germanistikstudenten an der LMU fühlt sich Xiang sehr wohl. Auch wenn er in Mediävistik nicht alle Texte versteht, nimmt er das Studium sportlich: "Germanistik ist für mich eben eine echte Herausforderung." Nach dem Studium will er aber sofort nach China zurückkehren, um dort als Hochschuldozent zu arbeiten. Dort erwarte ihn eine wesentlich höhere soziale Stellung und ein besseres Gehalt als in Deutschland, erklärt Xiang.

Außerdem gibt es noch einen weiteren Grund, warum er seine Heimat vermisst: "Das deutsche Essen mag ich gar nicht, es ist mir einfach zu langweilig." Dageben schätzt Xiang die bayerische Landeshauptstadt sehr. In besonderer Weise haben es ihm einige ihrer Einwohner angetan. "Ich bin ein riesiger FC-Bayern-Fan", gesteht Xiang. Mit chinesischen Bekannten hat er eine kleine Fangruppe gegründet, gemeinsame Besuche in der Allianz-Arena inklusive.

(Text: Irmengard Gnau)

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Die Alpen haben schließlich den Ausschlag gegeben, warum sich die Spanierin Almudena Molinero für München und gegen Wien als Ziel ihres Auslandssemesters entschieden hat. Die Tiermedizinstudentin aus dem nordspanischen Santander ist eine begeisterte Skifahrerin. "Ich war schon einige Male von hier aus mit anderen Erasmus-Studenten in den Bergen, unter anderem auf dem Brauneck", erzählt sie mit einem Glänzen in den Augen. Solange es noch Schnee hat, will sie die Nähe der Stadt zu den diversen Skigebieten unbedingt ausnutzen - wenn nur nicht die Prüfungsvorbereitung so viel Zeit in Anspruch nähme.

Mit ihren Kursen an der veterinärmedizinischen Fakultät der LMU ist Almudena zufrieden; die Professoren kommen ihr sogar ein wenig professioneller vor als an ihrer Heimatuniversität in Madrid. Allerdings vermisst sie manchmal den Praxisbezug. "Hier in München lernen wir eine Menge Stoff", sagt die 23-Jährige, "aber bei komplizierten Themen wie gesetzlichen Vorschriften fühle ich mich oft ein wenig verloren."

Auch wenn die Sprache in manchen Dingen noch eine Barriere darstellt, kann sich Molinero gut vorstellen, länger zu bleiben. Im kommenden Semester will sie in München ein Praktikum absolvieren und sich danach vielleicht in Deutschland für eine Stelle bewerben. Der Lebensmittelbereich reizt sie am meisten. "Die meisten Menschen denken nur an die süßen, kleinen Welpen, wenn sie Tiermedizin hören", sagt sie. "Dabei gibt es noch so viele andere interessante Berufsfelder."

(Text: Irmengard Gnau)

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Dass Céline Roussel voller Begeisterung von München spricht, ist nicht verwunderlich: Schließlich wohnt sie im Gebäude des Landtags, im Maximilianeum. Die Maximilianeum-Stiftung kooperiert mit ihrer Universität in Paris, einer so genannten Grande École - einer Hochschule für besonders Begabte. Mit ihren gerade mal 21 Jahren befindet sich Roussel schon im Masterstudiengang.

Nach Deutschland wollte sie, weil sie Germanistik studiert; nach München hat es sie gezogen, weil sie sich von einem bestimmten LMU-Professor Hilfe für ihre Abschlussarbeit erhofft hat. "Der Professor war sehr freundlich, wie alle Deutschen. Ich werde hier so gut betreut!"

München biete ihr optimale Studienbedingungen, schwärmt die Französin. Auch wenn sie die deutsche Ordentlichkeit manchmal übertrieben findet. "Im Maximilianeum kommt dreimal die Woche eine Putzfrau zu mir ins Zimmer, das ist doch verrückt!" Gleichzeitig genieße sie die deutsche Sauberkeit aber auch, so zum Beispiel in den Schwimmbädern. Von deren großer Auswahl ist Céline, die Synchronschwimmerin ist, besonders beeindruckt. "Diese Schwimmbad-Kultur haben wir in Frankreich nicht", berichtet sie in perfektem Deutsch. "Das Müller'sche Volksbad ist wunderschön, das könnte man als Museum besichtigen!"

Wenn sie im Juli nach Paris zurückgeht, möchte sie eine Prüfung ablegen, die ihr erlaubt, als Lehrerin zu arbeiten. Sie wird dann Deutsch an Gymnasien lehren. Die Sprache hat sie schon zu ihrer Schulzeit gelernt und liebt sie sehr.

(Text: Laura Martin)

© SZ vom 31.01.2012/wolf
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