bedeckt München 26°

Ausbildungsförderung:Schüler und Studenten bekommen sieben Prozent mehr Bafög

Das einst süße Uni-Leben ist heute vor allem: teuer. Jetzt reagiert die Politik. Von Herbst 2016 an bekommen Schüler und Studierende mehr Geld - auch den gestiegenen Mieten in vielen Städten wird Rechnung getragen.

  • Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) verkündet eine Bafög-Erhöhung von Herbst 2016 an. Um sieben Prozent wird die finanzielle Staatshilfe für Fachschüler und Studierende steigen.
  • Zudem werden die Elternfreibeträge angehoben, um mehr jungen Menschen eine Förderung zu ermöglichen.
  • Auch der prekären Mietsituation in vielen Uni-Städten soll Rechnung getragen werden: So wird der Wohnzuschlag erhöht.

Wer in München studiert, zahlt durchschnittlich mehr als 400 Euro Miete im Monat. Doch nicht nur in der bayerischen Landeshauptstadt ist das Uni-Leben teuer - zu teuer für manchen Studierenden: Der Bundesverband Deutscher Tafeln berichtet, dass zunehmend junge Leute in der akademischen Ausbildung die Lebensmittel-Hilfe in Anspruch nehmen. Das Problem gestiegener Lebenshaltungskosten ist auch der Politik seit langem bekannt, doch wegen Streitereien um Finanzhoheit und Zuständigkeiten in der Bildung passierte in den vergangenen Jahren nichts.

Bafög-Plus von sieben Prozent

Pünktlich zu den Sommer- und Semesterferien in vielen Bundesländern gibt es jetzt endlich gute Nachrichten für Schüler, Studierende und junge Menschen, die vor der Entscheidung stehen, ob sie studieren sollen: Von Herbst 2016 an gibt es mehr Geld vom Staat. Die Sätze des Bundesausbildungsförderungsgesetzes - besser bekannt als Bafög - werden angehoben: um sieben Prozent. Das verkündete Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) gemeinsam mit den Vize-Fraktionschefs der Koalitionsparteien, Michael Kretschmer (CDU) und Hubertus Heil (SPD). (Lesen Sie hier die Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit allen Einzelheiten der Bafög-Reform.)

Bund übernimmt Kosten komplett

Das Bafög war zuletzt 2010 um fünf Prozent erhöht und von der schwarz-gelben Koalition eingefroren worden. Zuletzt hatten sich Bund und Länder auf eine Neuregelung der Finanzierung geeinigt: So übernimmt der Bund von 2015 an die Kosten für das Bafög komplett und entlastet die Länder um 1,17 Milliarden Euro jährlich. Bislang hatte der Bund 65 Prozent geschultert, die Länder 35 Prozent.

Mehr Spielraum bei Freibeträgen und eigenen Einkünften

Neben den Bafög-Sätzen sollen auch die Elternfreibeträge für die Berechnung der Ausbildungsförderung steigen, ebenfalls um sieben Prozent. Förderberechtigte Schüler und Studierende dürfen künftig außerdem über mehr eigenes Vermögen verfügen (7500 statt wie bisher 5200 Euro). Damit haben von 2016 an mehr junge Menschen Anspruch auf die staatliche Ausbildungsförderung.

Wegen der explodierenden Mieten in vielen Uni-Städten wird der Wohnzuschlag auf 250 Euro erhöht. Für Studierende, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, steigt der Förderhöchstsatz nach einer Berechnung des Bildungsministerium damit von bislang 670 auf künftig 735 Euro im Monat. Außerdem soll es Geförderten ermöglicht werden, dauerhaft einen Minijob mit einem Verdienst von bis zu 450 Euro monatlich auszuüben.

Wanka lobt Reform als Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit

Für Ministerin Wanka ist es das erste Prestigeprojekt ihrer zweiten Amtszeit, dementsprechend positiv fällt ihre eigene Bewertung der Reform aus: "Wir (...) investieren in Bildungsgerechtigkeit und Bildungschancen. Die Bundesregierung übernimmt Verantwortung für die Studierenden", verkündete die CDU-Politikerin.

Der gewaltige Studienanfängerboom der vergangenen Jahre hat die Zahl der Bafög-Empfänger in die Höhe schnellen lassen. Mit 630 000 geförderten Studierenden und Fachschülern im Jahresschnitt wird derzeit der höchste Stand seit 30 Jahren erreicht. Laut dem jüngsten Bafög-Bericht der Bundesregierung ist allerdings der prozentuale Anteil der Bafög-Empfänger an der Gesamtzahl der Studierenden seit Herbst 2012 rückläufig, genauso wie der durchschnittliche monatliche Förderbetrag. Im Schnitt erhielt 2013 ein förderungsberechtigter Student 448 Euro monatlich.