Arbeitsbedingungen junger Wissenschaftler Unis verstecken sich hinter Unwissenheit

Das Team um Projektleiter Roland Bloch verglich an acht Hochschulen die Vorlesungsverzeichnisse mit den Namen, die in der Gehaltsliste der Uni auftauchen. Ein Drittel der Lehrenden ist der Verwaltung demnach offenbar gar nicht bekannt - und wird somit nicht von der Uni bezahlt. "Aus Sicht der Hochschule ist es gar nicht gewünscht, alle Lehrenden zu kennen, da man sonst womöglich mehr Studierende aufnehmen müsste", sagt Bloch. So verlangt es das Kapazitätsrecht, das jedem Lehrenden eine bestimmte Anzahl an Studierenden zuweist. Und das in Zeiten, in denen die Universitäten ohnehin unter einer Rekordzahl von nunmehr 2,7 Millionen Studierenden ächzen.

"Der Lehrbetrieb würde zusammenbrechen ohne die wissenschaftlichen Mitarbeiter - und diese sind fast immer befristet beschäftigt." Hochschulen gehen nach dem Prinzip von Firmen vor, die Zeitarbeiter statt feste Mitarbeiter anheuern - die Studie bezeichnet diese Hochschullehrer entsprechend als "Hire-and-fire-Lehrende", die an vielen Unis bis zu einem Drittel der Lehre abdecken.

Die ständige Fluktuation der befristet tätigen Nachwuchswissenschaftler und Lehrbeauftragten gefährdet aber nicht zuletzt die Qualität der Lehre: Die Studierenden werden nicht kontinuierlich betreut, ihre Ansprechpartner wechseln laufend.

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Langweilige Vorlesungen, zu wenig Debatte: Viele Professoren und Lehrbeauftragte haben keine didaktische Ausbildung und scheuen Diskussionen. Wer Karriere an der Uni machen will, konzentriert sich auf Forschung statt auf Lehre.   Von Karin Janker

Doktoranden müssen Sicherheit erhalten

Die Lehre gehört der Studie zufolge dennoch fest zum beruflichen Selbstverständnis junger Wissenschaftler. Lehraufträge sind trotz allem begehrt. Doch wie lange noch?

"Die prekären Arbeitsverhältnisse treiben die besten Köpfe aus der Wissenschaft", sagt Simone Raatz (SPD). Die Vizevorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag möchte dem Trend zum wissenschaftlichen Prekariat neue Regeln entgegenstellen. Nach einem Eckpunktepapier ihrer Fraktion soll es Mindestzeiten für Arbeitsverträge geben und mehr feste Stellen. Gerade Doktoranden müssten Sicherheit erhalten, um nicht nach einem Jahr Arbeit vor dem Nichts zu stehen, sagt Raatz. Sie will nicht alle Zeitverträge in feste Stellen umwandeln, das fordern nicht einmal die Wissenschaftler selbst.

"Es geht uns um eine sinnvolle Personalauswahl durch Bewertungen und Gespräche", sagt Raupach. Eine breite Mehrheit der Wissenschaftler fordert laut seiner Studie, Hochschulen und Instituten eine Obergrenze für befristete Stellen vorzuschreiben.

Ob es so kommt, wird sich bald klären: Kommende Woche sprechen SPD und Union darüber, im Januar sollen gemeinsame Eckpunkte stehen. Einfach wird es nicht werden. Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) schrieb kürzlich, der wissenschaftliche Nachwuchs brauche zwar bessere Perspektiven. "Zu pauschale Einschränkungen" bei Zeitverträgen richteten aber mehr Schaden an als sie nutzten.