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Alte Schule:Carmen Korn

Alte Schule

Carmen Korn, Jahrgang 1952, ist in Köln aufgewachsen und absolvierte in Hamburg die Henri-Nannen-Schule für Journalismus. Sie war Redakteurin beim Stern, schrieb Krimis und dann die Trilogie „Töchter einer neuen Zeit“, „Zeiten des Aufbruchs“ und „Zeitenwende“. Die Romane über vier Hamburgerinnen im 20. Jahrhundert waren alle Bestseller. Jetzt ist der Auftakt ihrer Saga über drei Familien erschienen: „Und die Welt war jung“ spielt in den 50ern in Köln, Hamburg und San Remo.

(Foto: Charlotte Schreiber)

Von Gummitwist, Liebesgeschichten und der Tugend des Ungehorsams: Die Bestseller-Autorin im SZ-Fragebogen.

Erste Reihe oder letzte Bank?

Immer letzte Bank, weil schon im ersten Schuljahr zehn Zentimeter größer als die anderen.

Influencer oder Follower?

Kein Follower, dafür war ich zu eigensinnig. Aber Influencer auch nicht.

Mein Hobby in der Pause?

Gummitwist. Im fortgeschrittenen Alter Austausch erster Liebesgeschichten.

Meine größte Stunde?

Als wir unsere Interpretationen von Agnes Miegels "Die Frauen von Nidden" zurückbekamen und sich herausstellte, dass ich doch nicht nur höheren Blödsinn verzapft hatte.

Das würde ich gern vergessen:

Mein Jahr in der Sexta an der Kölner Hildegard-von-Bingen-Schule. Als meine Freundin und Mitschülerin tödlich verunglückte und das von der Direktorin vor der Klasse verkündet wurde, habe ich sehr emotional reagiert. Ich wurde danach zu ihr beordert, um mir anzuhören, auch eine Zehnjährige müsse sich beherrschen. Am Ende des Jahres war das einer der Gründe, warum ich die Schule wechselte. Wir wurden nicht warm miteinander.

Ein Denkmal gebührt ...

... Frau Spichale, die nie aufgehört hat, mich für ein Mathematiktalent zu halten.

Lernen ist ...

... im besten Falle ein Wegbereiter in neue Welten.

Noten sind ...

... dazu geeignet, klein zu machen, selten groß. Und sie bestärken die Streberseele.

Schule müsste ...

... auf die individuellen Stärken eingehen, Großzügigkeit lehren, Kreativität fördern und eigentlich auch die Tugend des Ungehorsams. Was vermutlich dem schulischen Gedanken widerspricht.

Entschuldigen muss ich mich bei ...

... allen, an denen ich den Umgang mit Ironie erprobt habe. Ob Lehrer oder Mitschüler. Da neigte ich als Heranwachsende zur Hochnäsigkeit.

Entschuldigen muss sich bei mir ...

... keiner. Viele meiner Lehrer wussten es nicht besser, sie hatten in unheilvollen Zeiten ihre Lehrerausbildung gemacht.

Zur Schule hat jeder was zu sagen. War ja jeder da. Deshalb gibt es einmal die Woche "Alte Schule.

© SZ vom 05.10.2020

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