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Alte Schule:Boris Palmer

Der Grünen-Politiker erinnert sich an seine Schulzeit als widerspenstiger Hinterbänkler mit Gurkenbrot und zwei Müttern.

Boris Palmer
(Foto: Tom Weller/dpa)

Erste Reihe oder letzte Bank?

Letzte Bank, wir waren vier Jungs und nannten uns "Backbench".

Influencer oder Follower?

Klassensprecher und Schülerzeitungsredakteur.

Mein Hobby in der Pause?

Gurkenbrot. Mamas Vesper war immer lecker.

Meine größte Stunde?

Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl übertrug die Klassenlehrerin mir die Aufgabe, zu erklären, was da physikalisch vorgefallen war.

Das würde ich gern vergessen:

Meinen gescheiterten Versuch, vor der gesamten Oberstufe die ziemlich absurde Levitationstheorie zu widerlegen.

Ein Denkmal gebührt ...?

Sabine Kressler. Acht Jahre lang meine Klassenlehrerin, die Hälfte als zweite Mutter und die andere Hälfte im Kampf mit des Widerspenstigen Zähmung.

Lernen ist ...

... vor allem eine Freude.

Noten sind ...

... unnötig. Motivation entsteht anders.

Schule müsste ...

... immer vom Kind her denken.

Entschuldigen muss ich mich bei ...

... meinem Physiklehrer, dessen Nachnamen wir einige Zeit als Schlachtruf im Pausenhof benutzt haben.

Entschuldigen muss sich bei mir ...

... der Schüler, der mir sagte, man habe ja nur vergessen, meinen Vater zu vergasen.

Zur Schule haben alle was zu sagen. Waren ja alle da. Deshalb gibt es jede Woche "Alte Schule".

Boris Palmer

Der Politiker, geboren 1972 in Waiblingen, besuchte die Waldorfschule und legte 1992 das Abitur mit dem Schnitt 1,0 ab. Sein 2004 verstorbener Vater war der als "Remstalrebell" bekannte Obstbauer und Bürgerrechtler Helmut Palmer. Boris Palmer studierte Mathematik und Geschichte in Tübingen und engagierte sich in der Studentenpolitik. 2001 zog er für die Grünen in den Landtag von Baden-Württemberg ein, wo er unter anderem verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion war. Seit 2006 ist er Oberbürgermeister von Tübingen. Wurde ihm damals eine große Karriere bei den Grünen prophezeit, hat Palmer sich inzwischen durch seine kritische Haltung etwa in Einwanderungsfragen viele Gegner gemacht - auch in seiner eigenen Partei.

© SZ vom 12.01.2021
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