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"Alte Schule":Amira Mohamed Ali

Amira Mohamed Ali

Amira Mohamed Ali, geboren 1980 in Hamburg, studierte nach dem Abitur Jura in Hamburg, Heidelberg und Rom. Nach dem Studium arbeitete sie als Anwältin und Managerin. 2015 trat sie der Partei Die Linke bei, seit 2017 sitzt sie im Bundestag. 2019 wurde die bis dahin wenig bekannte Politikerin neben Dietmar Bartsch zur Fraktionschefin gewählt.

(Foto: Olaf Krostitz/Linksfraktion)

Influencerin mit wenig Followern, wünscht sich als Linke mehr Recht im Unterricht: Die Linken-Fraktionschefin im SZ-Fragebogen.

Erste Reihe oder letzte Bank?

Weder noch. Entscheidend war, wer neben mir saß.

Influencer oder Follower?

Influencer. Ich hatte immer meinen eigenen Kopf. Auch auf die Gefahr, damit anzuecken. Mit den Followerzahlen hat es manchmal gehapert ...

Mein Hobby in der Pause?

Mit meiner besten Freundin, Suse, zusammen zu sein. Wir waren wie Pech und Schwefel.

Meine größte Stunde?

Keine große Stunde, aber als besonders schön habe ich den Schüleraustausch nach London empfunden. Das hat meinen Horizont sehr erweitert. Eine ganz tolle Zeit.

Das würde ich gern vergessen:

Keine Ahnung. Offenbar habe ich das schon.

Ein Denkmal gebührt ...

... meinem Englischlehrer und späterem Tutor Rolf-Lothar Alt, der in mir Freude an der Sprache und der Literatur geweckt hat und den Glauben an mich selbst.

Lernen ist ...

... wichtiger Teil des Lebens. Es hört nie auf. Die Freude daran zu vermitteln, ist die wichtigste Aufgabe der Schule.

Noten sind ...

... oft zu starr, auch wenn sie als Orientierung einen Wert haben. Aber Lernen lässt sich nicht auf einer Skala zwischen 1 und 6 abhandeln. Es ist gut, dass mittlerweile gerade an Grundschulen umfassendere Beurteilungen üblich sind.

Schule müsste ...

... jedes Kind umfassend nach den eigenen Fähigkeiten und Begabungen fördern. Schulischer Erfolg sollte weder vom Geldbeutel der Eltern noch davon abhängen, ob ein Kind zu Hause gefördert wird. Dafür brauchen wir vor allem mehr Lehrerinnen und Lehrer. Schule sollte nicht nur Fakten vermitteln, sondern auch kritisches Denken und Lernfähigkeit. Wichtig fände ich außerdem, dass Grundlagen des Rechts unterrichtet werden, damit man nach der Schule auch in Alltagsdingen, wie dem Abschluss von Verträgen, kompetent ist.

Entschuldigen muss ich mich bei ...

... einer Klassenkameradin, für die ich mehr hätte da sein müssen, weil sie in sehr schwierigen familiären Verhältnissen aufwuchs. Ich habe das damals falsch eingeschätzt.

Entschuldigen muss sich bei mir ...

... niemand.

Zur Schule haben alle was zu sagen. Waren ja alle da. Deshalb gibt es jede Woche "Alte Schule".

© SZ vom 16.11.2020
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