Afrikanische Studenten in Tunis Kurzaustausch mit Mannheim

Mit der Hochschule der Wirtschaft für Management in Mannheim besteht bereits eine Partnerschaft, eine weitere mit der Hochschule Mannheim wird gerade anvisiert. Kürzlich haben Maher Tebourbi, Vizepräsident der UIT, und Dieter Leonhard, Rektor der Hochschule Mannheim, eine Absichtserklärung in Tunis unterzeichnet. Die Austauschrichtung wird vorerst vor allem Deutschland - Tunesien sein, vermutet die Hochschulleitung: "Anwendungs- und industrieorientierte Hochschulausbildung aus Deutschland trifft in Nordafrika auf hohes Interesse", sagt Leonhard. "Die UIT hat aus meiner Sicht erkannt, dass diese Ausbildung bisher weitgehend fehlt, und geht entschieden in diese Richtung."

Adama Dian Diallo hat vergangenes Jahr an einem Kurzaustausch mit der Hochschule der Wirtschaft für Management in Mannheim teilgenommen. Zwei Wochen lang ging sie mit deutschen Kommilitonen in die Seminare, hörte von MBA-Studiengängen, bei denen Unternehmen Studenten unterstützen, und war überrascht, wie viel die Dozenten mit den Studenten interagierten. Seit diesem Besuch steht für sie Deutschland auf Platz eins der Länder, in denen sie gerne arbeiten würde. Ihr Eindruck: "Alle sind so offen - und in Deutschland landet man nicht im Gefängnis, wenn man seine Meinung sagt."

Die Tunesier orientieren sich in der Lehre am Vorbild der deutschen Fachhochschulen

Viele UIT-Studenten kommen aus Ländern, in denen es am einen Tag keinen Strom gibt und am anderen Tag kein Wasser. In denen nicht die besten einen Job bekommen, sondern die, die viel schmieren oder aus einflussreichen Familien stammen. Dennoch fällt es ihnen anfangs manchmal schwer, sich in Tunesien einzufinden. Denn sie sind in Tunesien konfrontiert mit einem anschwellenden Rassismus der hellhäutigeren Nordafrikaner, vor allem seit der Revolution vor drei Jahren. Immer mal wieder werde auch sie angegangen, erzählt Adama Dian Diallo. Manchmal gehe es um Geld - in den Augen vieler Tunesier ist sie reich. Meist geht es um nichts.

An der UIT ist das anders. Hier ist die Unterrichtssprache Französisch - viele Studenten aus den Subsahara-Ländern sprechen schließlich kein Arabisch. Die tunesischen Studenten erhoffen sich, von der Internationalität und dem Ruf der Uni in ganz Afrika profitieren zu können. Ein böses Wort sagt niemand, abends gehen alle zusammen in Bars oder Clubs am Meer.

"Die Universität ist für die Studenten ein geschützter Raum", sagt Direktorin Héla Ennaifer. Sie kennt die Sorgen und Nöte mancher Studenten, von vielen weiß sie die Namen. "Die allermeisten sind zum ersten Mal von zu Hause weg, müssen sich in einem anderen Land und einer anderen Kultur zurechtfinden", sagt Ennaifer. Die Tochter des einflussreichen Scheichs Mohamed Salah Ennaifer, der 1939 die erste Mädchenschule für muslimische Kinder in Tunis gründete, hat kurzes, blondiertes Haar. Sie trägt kein Kopftuch. Mit der Uni hat sie sich einen Traum erfüllt. Den wirtschaftlichen Austausch zwischen den Ländern Afrikas anzukurbeln, das ist ihr Ziel.

"Wir gehören alle zum gleichen Kontinent"

Anfangs seien vor allem Schulabsolventen aus den frankophonen Subsahara-Ländern gekommen. Die Uni hat zunehmend aber auch in Tunesien einen guten Ruf, die Beziehungen, die praxisorientierte Ausbildung locken viele. Inzwischen stammen fast die Hälfte der 300 Studenten aus dem Maghreb. "Wir gehören alle zum gleichen Kontinent", sagt Ennaifer. Sie sagt diesen Satz oft. Sie will nicht, dass innerhalb Afrikas klassifiziert wird. "Wir wollen das gesamte Potenzial Afrikas ausschöpfen."

Manuel Costa ist momentan noch mit seinem ganz persönlichen Potenzial beschäftigt. Nach der Licence will er am liebsten einen Master an der UIT machen. Wo er dann hinmöchte, hat er sich noch nicht überlegt. "Die Welt ist groß", sagt er. Er könnte sich auch vorstellen, zurück nach Togo zu gehen, wo seine Familie lebt und seine Schwester internationale Diplomatie studiert. "Ich möchte die Welt verändern", sagt Costa. "Veränderungen mitgestalten. Und das werde ich auch erreichen."

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