Abschluss ohne Bachelor-Studium Ein gutes Geschäft

Trotz der gegensätzlichen Meinungen gibt es keine öffentliche Debatte über den neuen Zugangsweg. Das ist kein Wunder: Die Gegner haben angesichts des Trends zur Öffnung der Hochschulen wenig zu gewinnen und müssen fürchten, als altmodisch und dünkelhaft angeprangert zu werden.

Benimm-Patzer in der Uni

Wie sich Studenten danebenbenehmen

Walburga Freitag vom HIS rät zum Abwarten. Erst wenn eine größere Zahl von beruflich Qualifizierten den Master geschafft habe, hätten beide Seiten eine verlässliche Datenbasis. Noch ist die Zahl der Programme, die sich für beruflich qualifizierte Teilnehmer öffnen, nämlich extrem klein. Nach HIS-Angaben waren es 2009 nur 14 - von insgesamt etwa 5000 Master-Studiengängen an deutschen Hochschulen. Zudem nutzen relativ wenige Berechtigte die neuen Studienchancen. Der Anteil der Teilnehmer ohne Erststudium liegt in den elf Master-Fernstudiengängen, die in der ZFH zusammengefasst sind, nur bei bis zu 20 Prozent.

Auf eine "gute Mischung" von Bachelor-Absolventen und beruflich Qualifizierten komme es an, meint Ralf Haderlein von der ZFH: "Beide Gruppen können sich hinsichtlich ihrer Kompetenzen ergänzen." Nach seiner bisherigen Erfahrung haben die Master-Studenten ohne Bachelor weder schlechtere Noten als ihre Kommilitonen, noch brechen sie eher das Studium ab. Wichtig sei es, die Quereinsteiger vor allem beim Studienbeginn zu unterstützen, etwa durch Brückenkurse in Mathematik. "Solche Kurse werden aber auch gern von Teilnehmern genutzt, die schon einen ersten Hochschulabschluss haben."

Da sowohl Weiterbildungs-Studiengänge als auch Vorbereitungskurse kostenpflichtig sind, könnte sich eine weitere Öffnung für die Hochschulen lohnen. Die private Euro-FH in Hamburg bietet seit Januar ein "Master-Einstiegsprogramm" an, das Fach- und Führungskräfte ohne Bachelor innerhalb von sechs Monaten gezielt auf die Eignungsprüfung für zwei wirtschaftswissenschaftliche Master-Programme der Euro-FH vorbereitet. Bisher hat das Einstiegsprogramm zehn Teilnehmer.

Ralf Haderlein sieht besonders in den Bereichen Technik und Informatik einen steigenden Bedarf an Studienplätzen für beruflich Qualifizierte. Dass sich diese Gruppe bisher nicht gerade auf die Master-Angebote stürzt, schiebt er auch auf mangelndes Wissen. Die neuen Möglichkeiten seien noch kaum bekannt. Zudem hätten IHK und Handwerkskammern keinerlei Interesse daran, über Studienchancen zu informieren: Schließlich bieten sie selbst Weiterbildungen an.