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50 Jahre "Jugend forscht":Tüftler, Bastler, Milliardäre

50 Jahre Jugend forscht

Seit 1966 gibt es den Wettbewerb "Jugend forscht".

(Foto: dpa)

Seit einem halben Jahrhundert mühen sich Tausende Schüler und Studenten für den Wettbewerb "Jugend forscht" ab. Bringt das etwas? Eine Antwort in sechs Porträts.

Wie nur interessiere ich junge Leute für die Wissenschaft? Es wird viel Aufwand dafür getrieben, schon im Kindergarten gibt es Technik-Kurse, in der Schule geht es weiter mit Experimenten, mit Besuchen in Museen oder Hochschulen. Deutschlands Politiker werden nicht müde, die Bedeutung der Forschung zu betonen. Einer der besten Anstöße zum Forschen aber kam nicht aus der Politik, er kam von Henri Nannen, dem damaligen Chefredakteur des Sterns. Er suchte 1965 "die Forscher von morgen". Inzwischen haben Zigtausende an dem Wettbewerb teilgenommen. Selten dauert ein Programm so lange - und selten liefert es so anschaulich Erfolge. Die SZ zeigt sie in Porträts über Sieger aus 50 Jahren.

Vom Siegerfoto zum Wickie-Filmer

Florian Maier, 2. Preis Technik im Jahr 2000

Nach seinem Erfolg bei Jugend forscht hebt Florian Maier völlig ab. Das liegt nicht daran, dass er eine Firma gründet, die 3-D-Filme auch für Hollywood realisiert. Nein, das Abheben muss man wörtlich nehmen: Der Medientechnik-Student bewarb sich bei Europas Raumfahrtbehörde darum, sein prämiertes Fotoprojekt "frozen reality" 2006 auch in der Schwerelosigkeit bei einem Parabelflug zu erproben. Normale Fotos und Filme sind Florian Maier viel zu flach. Er will einen Raum zeigen, in dem er sich bewegen kann - und sehen, was sonst zu schnell für das Auge ist: Das Platzen eines Luftballons, wie bei seinem Siegerbild für Jugend forscht, oder das Auftreffen einer Kugel in Flüssigkeit, die durch den Raum schwebt.

Um einem eigentlich zweidimensionalen Bild Tiefe zu geben, stimmte Maier neun lasergesteuerte Fotokameras aufeinander ab. Doch ein normaler Blitz wäre viel zu langsam, um genau den Moment einzufangen, in dem die Ballonhaut zerreißt. Also musste Maier lernen, andere von sich und seinem Projekt zu überzeugen: Eine Firma lieh ihm kostenlos ein Ultrakurzzeit-Blitzgerät, "von dem gab es damals wohl nur drei weltweit". Der 20-Jährige fügte die neun Einzelbilder des zerplatzenden Luftballons so zusammen, dass der Betrachter die Szene fast umrunden kann - ein optischer Effekt ähnlich den "Matrix"-Filmen.

Auch auf andere Weise war der Wettbewerb wichtig für ihn, nicht nur, weil er so einmal im Leben in der Schwerelosigkeit sein durfte: Er fand Freunde, die ihm Rat gaben für seinen Weg in die Selbständigkeit, und Geschäftspartner. Einer der Hersteller, die ihn als Jungforscher kostenlos unterstützten, ist heute ein wichtiger Zulieferer für seine Firma Stereotec, die weltweit 3-D-Filmtechnologie anbietet. Die Ästhetik der Bilder hat Maier stets fasziniert, genauso wie die Technik dahinter.

Für intensiveres Erleben

Während sonst Regisseur und Kameramann entscheidend sind, kommt beim 3-D-Film eine weitere Schlüsselrolle hinzu: der Stereograph. Am Set ist Maier dafür zuständig, wie die räumlichen Bilder am besten wirken. Und dass dem Zuschauer im Kino nicht die Augen schmerzen, sondern er die Geschichte intensiver erlebt. Noch müsse er Regisseure erst dafür begeistern, 3-D-Aufnahmen als weitere Möglichkeit zur Gestaltung anzusehen. Stimmungen werden wie mit warmen und kühlen Farben erzeugt: Ein flaches Bild vermittelt Ruhe und auch Eintönigkeit. Wenn aber zum Beispiel die Hauptfigur in eine bunte Parallelwelt eintaucht, springen die Objekte förmlich aus der Leinwand.

So lässt Maier bei "Wickie auf großer Fahrt", der ersten deutschsprachigen 3-D-Produktion mit realen Darstellern, bei einer Zahnzieh-Aktion einen Pfeil in den Kinosaal schießen. Er zeigt die Nähe und Distanz zwischen Wickie und seinem Vater durch wohldosiert eingesetzte 3-D-Effekte, die der Zuschauer fühlt, aber nicht bewusst wahrnimmt. Mit dieser Tiefenwirkung konnte Stereograph Maier unter anderem beim Paramount-Film "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" überzeugen, aber auch bei Werbespots etwa für Volkswagen.

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