Zwei Tote bei Extrem-Berglauf Staatsanwaltschaft untersucht Zugspitz-Drama

Nachdem zwei Menschen während des Zugspitz-Berglaufs gestorben sind, prüft die Staatsanwaltschaft nun, ob gegen den Veranstalter ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet wird.

Nach dem Tod von zwei Bergläufern an der Zugspitze versucht die Staatsanwaltschaft München, den Sachverhalt in wesentlichen Zügen festzustellen - beispielsweise wird untersucht, ob die Wetterlage schon am Morgen bekannt war und ob die Bergläufer ausreichend informiert worden seien, erklärte der Oberstaatsanwalt. "Danach wird entschieden, ob ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen den Veranstalter des Berglaufs eingeleitet wird", sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl zu sueddeutsche.de.

Helfer der Bergwacht stützen einen völlig erschöpften und durchgefrorenen Bergläufer.

(Foto: Foto: dpa)

Bislang gebe es gegen den Veranstalter des Laufes, die getgoing GmbH, aber kein Ermittlungsverfahren, betonte er. "Im Grundsatz hat jeder Läufer auch eine Verantwortung für sich selbst", sagte Hödl.

Der Veranstalter des Berglaufs, Peter Krinninger, verteidigte seine Entscheidung, den Wettbewerb erst so spät zu stoppen. Dem Münchner Merkur sagte der Inhaber der Agentur "getgoing", viele Teilnehmer hätten ihn bereits im verangenen Jahr bedrängt, den Wettkampf fortzusetzen. 2007 war der Extremlauf aufgrund von schlechtem Wetter abgebrochen worden, damals kamen keine Sportler ernsthaft zu Schaden.

Das war in diesem Jahr leider anders: Bei schlechtem Wetter sind bei dem Rennen am Sonntag knapp unter dem Gipfel des 2962 Meter hohen Berges zwei Menschen an Erschöpfung gestorben. Nach Angaben der Polizei in Weilheim handelt es sich um einen 41-Jährigen aus dem nordrhein-westfälischen Witten und einen 45-Jährigen aus Ellwangen in Baden-Württemberg. Sie starben noch am Berg trotz stundenlanger Reanimationsbemühungen.

Die Leichen der beiden Männer sollen am Nachmittag in München obduziert werden, um die genaue Todesursache festzustellen, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Weilheim zu sueddeutsche.de.

Glück sieht keine Fehler bei der Bergwacht

Die Polizei habe im Auftrag der Münchner Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen. Es werde in alle Richtungen ermittelt, nicht konkret gegen eine einzelne Person. Polizei und Staatsanwaltschaft haben sich schon am Sonntagabend in einem Berggasthof mit dem Veranstalter des Laufs, Peter Krinninger getroffen. Ergebnisse der Untersuchungen sind allerdings erst in den nächsten Tagen zu erwarten.

Der Vorsitzende der bayerischen Bergwacht, Landtagspräsident Alois Glück, verteidigte im Bayerischen Rundfunk das Vorgehen seiner Einsatzleute beim Extremberglauf. Fehler der Bergwacht könne er nicht erkennen, sagte er. Es sei nicht in deren Ermessen, so eine Veranstaltung abzubrechen.

Er lobte den Einsatz der rund 100 Bergwacht-Mitglieder. Sie hätten ihr Leben riskiert, um Menschen in schwierigstem Gelände zu helfen. Die Suche sei eine Extremsituation gewesen.

Sechs Läufer mussten mit schweren Unterkühlungen und völlig erschöpft auf die Intensivstation im Klinikum Garmisch-Partenkirchen geflogen werden. Ihre Körpertemperatur lag nur noch bei 33 Grad Celsius. Bis Montagnachmittag konnten aber alle sechs die Klinik verlassen.

An der jährlichen Extremsportveranstaltung nahmen diesmal etwa 600 Läufer teil. Die Distanz des Berglaufes auf Deutschlands höchsten Gipfel beträgt 16,1 Kilometer bei fast 2100 Metern Höhenunterschied. Die Sportler waren gegen 9 Uhr im österreichischen Ehrwald bei Regen, aber guten Laufbedingungen gestartet. Mit zunehmender Höhe gingen die Niederschläge allmählich in Schnee über.

Eine Teilnehmerin des Berglaufs sagte dem Fernsehsender N24, dass am Start Zettel hingen mit einer Warnung vor einem möglichen Wetterumschwung und der Aufforderung, sich warm anzuziehen. Dass dies so war, konnte Oberstaatsanwalt Hödl nicht bestätigen.

Erste Hilferuf um 11.45 Uhr

Dann kam ein eisiger Wind auf. Streckenweise liefen die Teilnehmer in kurzen Hosen und T-Shirts durch zehn Zentimeter Neuschnee. "Nach wenigen Minuten war alles weiß", schilderte ein Bergwacht-Mitglied den Wetterumsturz.

Die Läufer waren am Berg von Schnee und eisigem Wind überrascht worden. Sie hätten sich aber in Sicherheit bringen können. Das wäre auf der "Knorrhütte" oder dem "Schneefernerhaus" an der Strecke möglich gewesen, sagte ein Sprecher der Polizei Weilheim.

"Wer an so einem Lauf teilnimmt, kennt seinen Körper sehr gut. Leider kam es diesmal aber zu tragischen Ereignissen", sagte Thomas Griesbeck, stellvertretender Geschäftsführer der Bergwacht Bayern.

Ein Polizeisprecher sagte: "Ein Läufer befindet sich wie im Rausch, der hat nur das Ziel vor Augen und sieht sonst gar nichts mehr". Teilweise hätten Streckenposten Läufer, die unterkühlt und erschöpft aussahen, angesprochen und zum Abbruch überreden müssen. Von sich aus hätten viele keine Hilfe gesucht. "Ein Läufer kommt mit so was nicht von alleine heraus", sagte der Sprecher.

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