Zum Weltfrauentag: Bayerische Pionierinnen – Johanna Sophia Kettner

Heute gehört es zur Normalität, dass Frauen in Kampftruppen der Bundeswehr dienen und in hochgefährlichen Krisengebieten eingesetzt werden. Zur Zeit von Johanna Sophia Kettner (1722 bis 1802) war dies undenkbar - Frauen in Waffen, das konnten sich die Männer des 18. Jahrhunderts nur in erotisch konnotierten Erzählungen und Gemälden von den sagenumwobenen Amazonen vorstellen. Die Kettnerin wollte sich jedoch in das damalige Frauenbild, das mit den Begriffen Heim und Herd genügend umschrieben ist, überhaupt nicht einfinden. Die im oberbayerischen Titting geborene Tochter des fürstbischöflichen Braumeisters Johann Kettner und seiner Frau Anna dürstete es nach Abenteuern. "Von Jugend auf", so bekannte sie nach historischen Quellen, habe sie "einen Lust zu dem Soldaten-Leben" gehabt. Im Gewand ihres Bruders, der sich dem Kapuzinerorden angeschlossen hatte, ließ sie sich im Innviertel von österreichischen Soldaten anwerben. Am 8. Juni 1746 wurde sie zum Korporal befördert, und nur acht Tage später zeichnete sie sich in der Schlacht bei Piacenza durch besondere Standhaftigkeit aus. Dann aber überfiel sie ein hitziges Fieber. Im Lazarett wurde ihr wahres Geschlecht entdeckt. "Eine Amazon", sagt der Oberst Alexander Freiherr von Wallis, doch er wünsche sich, "dass alle Soldaten von solcher Herzhaftigkeit wären, wie dieses junge Weibsbild ist". Ehrenhaft aus dem Militär entlassen, blieb Johanna Sophia Kettner eine Vorkämpferin. Sie kümmerte sich um in Not geratene Soldatenkinder. dm

Bild: SZ-Photo 8. März 2011, 13:262011-03-08 13:26:51 © SZ vom 08.03.2011/elis/vsch