Zum Tod von Mathilde Berghofer-Weichner Die eiserne Lady

Die frühere Justizministerin Berghofer-Weichner ist tot. Sie war die erste Frau an der Spitze eines bayerischen Ministeriums, trat für einen harten Kurs in der Rechtspolitik ein und war für viele Frauen ein Vorbild.

Die frühere bayerische Justizministerin Mathilde Berghofer-Weichner ist tot. Die 77 Jahre alte CSU-Politikerin starb am Donnerstagvormittag nach langer Krebserkrankung in einem Krankenhaus. Die Staatskanzlei bestätigte entsprechende Angaben einer Freundin der früheren stellvertretenden Ministerpräsidentin.

Die frühere bayerische Justizministerin Mathilde Berghofer-Weichner machte sich als "eiserne Lady" einen Namen.

(Foto: Foto: dpa)

Ministerpräsident Günther Beckstein zeigte sich tief betroffen von der Nachricht. "Sie war gradlinig, konsequent und überzeugend", sagte er. Sie habe das Amt als Justizministerin von 1986 bis 1993 in einer schwierigen Zeit übernommen. "Sie füllte es im Kampf des Rechtsstaats gegen die terroristische Bedrohung durch die RAF mit großer Kraft aus."

Berghofer-Weichner war 1986 die erste Frau, die an die Spitze eines bayerischen Ministeriums rückte. 1993 hatte Edmund Stoiber sie gegen ihren erbitterten Widerstand nicht mehr ins Kabinett berufen. Die als "schwarze Mathilde" bekannte Berghofer-Weichner war für ihren harten Kurs in der Rechtspolitik bekannt.

Sie weinte - vor Wut

Sie war Markenzeichen des Rechtsstaates in Bayern und setzte Maßstäbe für die Innere Sicherheit in Deutschland, betonte Beckstein und hob die Vorreiterrolle Berghofer-Weichners für eine stärkere politische Partizipation der Frauen in Bayern hervor. "Mathilde Berghofer-Weicher zählte zu den ersten Politikerinnen in Europa, die herausragende Ämter übernommen haben, und war damit Vorbild für viele andere starke Frauen in der Politik."

Bundesweit bekannt wurde sie auch als Abtreibungsgegnerin. Um Müttern zu helfen, die weder abtreiben noch das Kind behalten wollten, schlug sie eine Adoptionsgarantie vor.

Berghofer-Weichner war auch engagierte Katholikin. In Kirchenfragen vertrat sie eine liberalere Linie - zum Beispiel, als sie öffentlich darüber nachdachte, den Priesterberuf für Frauen zu öffnen.

Privat züchtete sie gern Orchideen und sammelte Volkskunst. 1993 entschied Stoiber, sie nicht mehr ins Kabinett zu berufen. Bei der entscheidenden Fraktionssitzung im Juni 1993 weinte sie vor Wut: "Der Ministerpräsident wird schon wissen, ob das gut ist, wenn er keine Ministerin mehr hat."

Zur Landespolitik äußerte sie sich zuletzt 2004: Damals protestierte sie verärgert gegen die von Stoiber beschlossene Abschaffung des Bayerischen Obersten Landesgerichts.