Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen:Verdacht auf fahrlässige Tötung: Ermittlungen gegen drei Bahnmitarbeiter

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Nach dem Zugunfall in Oberbayern ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft gegen Angestellte der Deutschen Bahn. Dabei handelt es sich um den Lokführer, den Fahrdienstleiter sowie eine Person, die für den Zustand der Strecke verantwortlich ist.

Die Staatsanwaltschaft München II hat nach dem Zugunglück bei Garmisch-Partenkirchen ein Ermittlungsverfahren gegen drei Personen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Bei den Beschuldigten handelt es sich um Mitarbeiter der Deutschen Bahn.

Solche Ermittlungen sind nach Bahnunfällen Routine, untersucht werden dabei stets die Rolle des Lokführers und des Fahrdienstleiters. Nach dem Unglück deutete bisher jedoch wenig auf menschliches Versagen oder gar schuldhaftes Verhalten von einem der beiden hin, stattdessen gerieten mögliche technische Ursachen in den Blick. In diesem Zusammenhang könnten die Ermittlungen gegen den dritten DB-Mitarbeiter stehen, bei dem es sich nach SZ-Informationen um eine Person handelt, die innerhalb des Bahnkonzerns Verantwortung für den Zustand der Strecke trägt. Auch diesen Strang der Ermittlungen verfolgen Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei zunächst rein routinemäßig.

"Es handelt sich bisher um einen Anfangsverdacht", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II, Andrea Grape, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Sie verwies auf die Unschuldsvermutung. Die Deutsche Bahn teilte dazu mit, sich wegen der laufenden Ermittlungen derzeit nicht äußern zu können. "Selbstverständlich setzen wir alles daran, die ermittelnden Behörden bei der Aufklärung der Unfallursache zu unterstützen", sagte ein Bahnsprecher. Die Ermittlungen zur Unfallursache führt eine Soko "Zug". Auch die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung ist beteiligt.

Die Opfer waren im Alter zwischen 13 und 70 Jahren

Der Regionalzug von Garmisch-Partenkirchen nach München war am Freitagmittag kurz nach der Abfahrt entgleist. Fünf Menschen starben, mehr als 40 wurden verletzt. Zuletzt war am Samstag das fünfte Opfer unter einem umgestürzten Waggon geborgen worden - ein 13-Jähriger aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Zunächst war das Alter mit 14 Jahren angegeben worden.

Unter den getöteten Frauen sind zwei Ukrainerinnen im Alter von 30 und 39 Jahren. Sie waren dem Vernehmen nach mit ihren Kindern nach Bayern geflüchtet. Zudem starben eine 51-Jährige aus Wiesbaden und eine 70-jährige Frau aus dem Landkreis München. Eine der Frauen war am Freitag auf dem Weg ins Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen, die drei anderen wurden unter den Trümmern geborgen. Eine 34-jährige Frau befindet sich laut Polizei nach wie vor in einem kritischen Zustand.

Die Ermittler nehmen nun die Lok genauer unter die Lupe

Währenddessen kommen die Aufräumarbeiten rund um die Unglücksstelle im Ortsteil Burgrain weiter voran. Laut Polizei seien über das Pfingstwochenende mehrere Waggons des entgleisten Zugs abtransportiert worden. Die Lok sowie der Bahnwaggon mit der Nummer eins sollen aus Ermittlungsgründen auf "unbestimmte Zeit am Unfallort verbleiben".

Der Unfall am Freitagmittag hatte zunächst ein Verkehrschaos in der Region ausgelöst, weil für den Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften die vielbefahrenen Verkehrsachsen A95 und B2 teilweise oder komplett gesperrt werden mussten. Die Autobahn ist laut Polizei seit Montagmorgen wieder in beide Richtungen befahrbar, die beiden Tunnel Oberau und Farchant an der B2 bleiben aufgrund von Reparaturarbeiten voraussichtlich noch bis Mittwoch komplett gesperrt.

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