Zu viele klebende ErinnerungenAblösung am Zugspitzgipfel: Die Sticker müssen weg

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Im vergangenen Jahr wurden am Gipfelkreuz der Zugspitze drei von einem Sturm beschädigte Strahlen neu befestigt. Bald soll das ganze Kreuz im Tal von Aufklebern befreit werden. 
Im vergangenen Jahr wurden am Gipfelkreuz der Zugspitze drei von einem Sturm beschädigte Strahlen neu befestigt. Bald soll das ganze Kreuz im Tal von Aufklebern befreit werden.  (Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Das Gipfelkreuz auf Deutschlands höchstem Berg hat inzwischen regelrechte Jahresringe aus Aufklebern angesetzt. Jetzt sollen das Kreuz ins Tal geflogen und alle Erinnerungen entfernt werden. Eine neue Klebefläche gibt es dort droben inzwischen auch schon.

Glosse von Matthias Köpf, Garmisch-Partenkirchen

Wäre der Westgipfel der Zugspitze nicht 1938 in die dünne Luft gesprengt worden, um einer nie gebauten Flugleitstelle für Hitlers Wehrmacht zu weichen, dann wäre Deutschlands höchster Berg heute immer noch 2964 Meter hoch. Oder vielleicht auch bloß die Hälfte, denn den Westgipfel müsste man sich ja mit den Österreichern teilen.

Das anno 1851 erstmals aufgestellte Gipfelkreuz wurde ohnehin schon 30 Jahre später wieder abgebaut und danach auf den 2962 Meter hohen Ostgipfel versetzt, auf damals wie heute allein bayerisches Terrain. Seit 1993 steht dort droben eine Art neues Original. Aber jetzt kann das Kreuz ja kurz weg.

Denn drinnen in der Bergstation der Zugspitzbahn gibt es seit dem Sommer ein absolut absturzsicheres und instagramables Indoor-Gipfelkreuz. Also kann das alte Outdoor-Exemplar in ein paar Wochen zumindest zeitweise abgebaut und mit dem Hubschrauber zu Tal geflogen werden. Spätestens bis Ende November soll es dann wieder deutlich goldener und vermutlich um einiges leichter wieder an Ort und Stelle stehen. Und die ganzen Touristen sollen dann gefälligst das andere Kreuz verunstalten.

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Dabei würde die Zugspitzbahn ihre ziemlich zahlenden Gäste natürlich niemals bezichtigen, durch pure Anwesenheit das ganze Gipfelkreuz zu verschandeln. Vielmehr versauen einander die Gäste im üblichen Gedränge am Gipfel gegenseitig all die Fotos, Videos und Social-Media-Posts, in denen sie am liebsten als scheinbar einzige Zugspitzbezwinger zu sehen wären.

Aber manche verewigen sich nicht nur im Internet, wo wirklich genügend Platz dafür wäre. Sondern sie lassen am goldenen Gipfelkreuz noch allerlei ganz analoge Aufkleber zurück, die sich inzwischen, Jahresringen gleich, dick um den Schaft des Kreuzes geschichtet haben. Und all diese Aufkleber sollen nun eben drunten im Tal wieder abgelöst werden vom Kreuz wie zuletzt 2017. Wahrscheinlich wird dann eine neue Goldschicht nötig und womöglich ein zusätzlicher Schutzfilm, damit die nächsten Aufkleber nicht mehr so gut haften.

Und mit den nächsten Aufklebern ist unbedingt zu rechnen. Deswegen will die Zugspitzbahn ihre Gäste künftig ausdrücklich auffordern, doch bitte die Replik in der Bergstation zu bekleben. Und zwar nicht, damit die Nachbildung endlich etwas echter ausschaut. Vielmehr lautet die Hoffnung, dass die Ausflügler nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Aufkleber gleich in der Station fotografieren, ganz ohne fallweise gefährliches Gekraxel. Und dass sie so gleichzeitig das Original verschonen, weil sie vielleicht sowieso nur einen Sticker einstecken haben.

Werden diese Sticker irgendwann auch am Indoor-Kreuz zu viele, so ist dieses auch zur Ablösung leichter zugänglich als das Original. Und langfristig wäre eine weitere Diversifizierung denkbar, wie sie etwa das Guggenheim-Museum vormacht. Gegen eine kleine Franchise-Gebühr zugunsten der Zugspitzbahn könnten weitere Gipfelkreuze aufgestellt werden, etwa in Bilbao oder in Venedig und irgendwann gerne auch in Abu Dhabi. Dort an all den Guggenheims haben sicher auch noch ein paar Zugspitz-Sticker Platz.

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