YouTube-Hit "Stolen Dance":Vom Klick zum Trip

Milky Chance PR

Live und digital sind sie schon zu hören - am 18. Oktober erscheint nun das Debütalbum "Sadnecessary" von Milky Chance auf CD und Vinyl.

(Foto: David zu Höne)

Der Song "Stolen Dance" von Milky Chance wurde zum YouTube-Hit. Nun haben die Musiker Philipp Dausch und Clemens Rehbein ihr erstes Album produziert und planen eine Tour durch Europa. Damit wollen die beiden einen lange aufgeschobenen Traum nachholen.

Von Christoph Neder

Eggenfelden, 23.30 Uhr. Ein völlig überfüllter Club irgendwo in Niederbayern. Hinten klettern Gäste auf Barhocker, um wenigstens ein paar Blicke auf die Bühne erhaschen zu können. Dann erklingen die Gitarrenklänge, die jeder im Club erkennt: Stolen Dance. Ein Youtube-Hit, mit mehr als zwei Millionen Klicks. Es ist das Lied, mit dem die beiden Musiker von Milky Chance vor einigen Monaten bekannt wurden.

Clemens Rehbein spielt Gitarre und singt dazu von Liebeskummer und Herzschmerz, aber auch den schönen Momenten. Philipp Dausch schaut konzentriert auf sein Macbook, nimmt die Hände nur selten von seinem DJ-Controller und unterlegt das Gitarrenspiel mit treibenden Beats. So werden aus bedächtigen Singer-Songwriter-Nummern Tanznummern, die gleichermaßen zum Clubabend passen, als auch zum Kater am Morgen danach.

Vier Stunden vorher: Außer dem Barpersonal ist noch niemand hier. Auf der Bühne stehen die beiden Musiker und experimentieren mit dem Klang des Raumes. Sie spielen verschiedene Songs, versingen sich absichtlich und grinsen sich zufrieden an. Man bekommt eher das Gefühl, einer Schülerband zuzusehen, wenn man nicht wüsste, wie weit Milky Chance es nur innerhalb eines Jahres gebracht haben.

Vor einem Jahr haben sie ihr Abitur gemacht und eine Europareise geplant. Dazu kam es jedoch nicht mehr: "Irgendwie ist das mit der Musik sehr schnell in den Vordergrund getreten. Das war zwar nie geplant, aber auf einmal war es dann eben so weit", sagt Clemens, grinst und zuckt etwas verlegen mit den Schultern.

Debütalbum in Eigenregie

Philipp Herder, 28, und sein Bruder Tobias Herder, 32, sind seit längerem eng mit den Musikern befreundet: "Ich habe eines der allerersten Konzerte von Milky Chance gesehen. Mir und so ziemlich jedem anderen im Raum ist dabei die Kinnlade nach unten gefallen - da habe ich schon gemerkt, dass in den beiden noch viel mehr Potenzial steckt", sagt Philipp. Kurze Zeit nach diesem Konzert, nach zu viel Wein und Zigaretten, entsteht die Idee, ein eigenes Label zu gründen.

Der Gedanke, völlig unabhängig Musik produzieren zu können und eine Platte in Eigenregie aufzunehmen, lässt die Freunde, die zu viert das Label betreuen, nicht mehr los. "Wir hatten nur alle überhaupt keine Ahnung, wie das mit einem eigenen Label so funktionieren sollte", sagt Philipp Herder und lacht. "Wir haben uns im Internet eingelesen, viel ausprobiert und dann einfach gemacht. Natürlich fliegt man gerade am Anfang auch mal auf die Schnauze - es ist eben schwierig gleichzeitig Auftritte zu planen, eine CD zu produzieren und die ganze Promotion für ein Label auszuarbeiten." Mit der Hilfe von Freunden und viel Zeit hat das Ganze aber dann doch auf Anhieb erstaunlich gut funktioniert, und so entsteht Lichtdicht Records.

Ein mutiger Schritt - selbst Majorlabels verkaufen kaum mehr CDs, den meisten Independent-Kollegen geht es noch weitaus schlechter. Doch im Falle von Lichtdicht Records und Milky Chance funktioniert das Projekt: "Es gibt kaum ein Land, in dem noch niemand unsere Musik heruntergeladen hat", sagt Clemens.

Durch das große Interesse reichen die Kapazitäten, die Lichtdicht Records bieten kann, nicht mehr aus. Für Veröffentlichungen im Ausland muss ein externer Vertrieb her. Den beteiligten Personen ist dabei am wichtigsten, dass sie niemals die Kontrolle über sämtliche Entscheidungen verlieren - Milky Chance und Lichtdicht Records sollen immer das letzte Wort haben.

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