Wunsiedel: Ende einer Nazi-Pilgerstätte:"Gut für diese Stadt"

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Als es 1987 darum ging, wo Heß bestattet wird, hatte sich die evangelische Kirchengemeinde von Wunsiedel bereit erklärt, Heß im Familiengrab zu bestatten. Mit allen Folgen. Dass es das Grab nun nicht mehr gibt, "ist gut für diese Stadt", sagt Pfarrer Schinhammer, "und unter christlichem Blickwinkel ist gegen eine solche Exhumierung nichts einzuwenden".

Peter Seißer hält kurz inne. Die Geschichte der Nazi-Aufmärsche in Wunsiedel will er einmal herausgeben, im Wesentlichen ist die Arbeit bereits gemacht. Einige der Bilder sind ohnehin längst ins kollektive Gedächtnis der Kleinstadt eingegangen: das Bild, als sich der Bürgermeister von Wunsiedel, Karl-Willi Beck, mehreren tausend Neo-Nazis in den Weg setzt. 2004 war das, der CSU-Mann wurde berühmt durch seine Sitzblockade.

Ein Jahr später stand Peter Seißer (SPD) vorm Innenausschuss des Bundestages und warb um eine Veränderung des Strafrechtsparagraphen 130. Mit Erfolg: Aufmärsche mit Verweis auf Heß waren seither in Wunsiedel verboten. Und dann der Herbst 2010, als wieder Nazis durch Wunsiedel marschieren: diesmal in Erinnerung an den gestorbenen Jürgen Rieger, der die "Heß-Gedenkmärsche" organisiert hatte.

Dass die Ultrarechten zurückkommen nach Wunsiedel, glaubt Seißer nicht: "Das hat sich, hoffe ich, nun erledigt." Seit diesem Mittwoch könnte das letzte Kapitel im Wunsiedel-Buch von Peter Seißer ein gutes Ende nehmen.

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