Würzburg trauert um Willi Dürrnagel, der als Gedächtnis der Stadt bekannt war. Dürrnagel sammelte nicht nur alles, was mit der Geschichte Würzburgs zu tun hatte, und brachte es so auf eine Sammlung von vielen Zehntausend Erinnerungsgegenständen. Er war auch einer der dienstältesten Stadträte Bayerns und kandidierte als solcher im Lauf seiner politischen Laufbahn für zahlreiche verschiedene Parteien und Gruppen der Stadt.
In den Stadtrat war Dürrnagel erstmals 1972 für die SPD gewählt worden, engagierte sich später für parteifreie Gruppierungen, die CSU und zuletzt für die ÖDP. Er habe immer großen Wert darauf gelegt, seine Meinung äußern zu dürfen, erklärte Dürrnagel im Jahr 2019 bei einem SZ-Besuch in seinem Haus, das als eine Art inoffizielles Archiv der Stadt galt. Seiner Reputation habe das nicht etwa geschadet, im Gegenteil. Dürrnagels „eigener Kopf“ wurde bei Kommunalwahlen immer wieder honoriert, er galt als profiliertester Stimmensammler der Stadt.
Von schwerer Krankheit war er in den vergangenen Jahren gezeichnet, ging aber offen damit um und bewarb sich zuletzt um eine weitere Amtszeit im Stadtrat. Wie seine Familie öffentlich machte, ist Willi Dürrnagel, 79, am 1. März friedlich eingeschlafen.

