Würzburg und sein ImageEine Stadt hat einen Lauf

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Umrahmt von Weinbergen: Würzburg. Die Stadt hat aber deutlich mehr zu bieten als Bocksbeutel.
Umrahmt von Weinbergen: Würzburg. Die Stadt hat aber deutlich mehr zu bieten als Bocksbeutel. (Foto: Florian Peljak/SZ Photo)
  • Würzburg kämpfte jahrzehntelang mit negativen Klischees wie "Weinfass an der Autobahn" und "Provinz auf Weltniveau".
  • Die Stadt erlebt einen bemerkenswerten Imagewandel mit dem ersten Grünen-Oberbürgermeister Bayerns und der höchsten Studentendichte Süddeutschlands.
  • Sechs Würzburger Forschende gewannen zu Monatsbeginn einen Wettbewerb des Europäischen Forschungsrats - ein Spitzenwert.
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„Weinfass an der Autobahn“ und „Provinz auf Weltniveau“? Würzburg hatte mit seltsamen Etiketten zu kämpfen.  Und legt gerade einen erstaunlichen Imagewandel hin.

Glosse von Olaf Przybilla, Würzburg

Vor wenigen Tagen war im Deutschlandfunk wieder vom „Geist von Würzburg“ die Rede, für Menschen mit mainfränkischem Wurzelwerk ist das immer noch ein Anlass für Kurzzucken. Geht’s da jetzt wieder um Alkohol? Werden nun abermals die alten Klischees über eine Domstadt mit Blick in die Weinberge wiedergekäut, das unvermeidliche „Weinfass an der Autobahn“ oder – schlimmer noch – die „Provinz auf Weltniveau“?

Würzburg wurden schlimme Etiketten angehängt in den vergangenen Jahrzehnten. Und mitunter waren die Würzburger daran alles andere als unbeteiligt.

Das Wort vom „Weinfass an der Autobahn“ etwa hat man in den Siebzigerjahren mal selbst für eine richtig gute Idee gehalten. Bis es sich verselbständigte, nicht eben zum Besten der Stadt. Und noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde der Werbeslogan „Würzburg – Provinz auf Weltniveau“ allen Ernstes als besonders gelungen prämiert.

Gemeint war damit vermutlich die Andeutung, dass da eine überschaubar große Kommune mit weltweit bewunderten Dingen aufwarten kann, Tiepolos Residenz-Fresko etwa. Hängen geblieben freilich ist, nun ja: etwas komplett anderes.

Würzburg, in der Außenwahrnehmung war das die Stadt mit dem in bürgerliche Grüppchen zersplitterten Stadtrat. Eine Stadt mit lauter Ex-Oberbürgermeistern, die eben dort – im Stadtrat – unbeirrt mitmischten. Und eine Stadt, deren kulinarischer Exportschlager, der Frankenwein, notorisch mit einem (ebenfalls selbst gemachten) Akzeptanzproblem zu kämpfen hatte.

Tempi passati. Und nicht nur das. Ein so gründlicher Imagewandel wie Würzburg dürfte in so kurzer Zeit noch nicht vielen Städten gelungen sein. Der „Geist von Würzburg“? Nein, da ist jetzt von keinem fränkischen Edelbrand die Rede. Das Wort haben die Fraktionschefs der deutschen Regierungsparteien geprägt, als sie sich – Spitzenmeldung in der ARD-Tagesschau – auf der Alten Mainbrücke samt Festungsblick aufeinander eingeschworen haben, zumindest als Versuch. Dazu mag Würzburg kaum etwas beigetragen haben. Es gibt trotzdem schlechtere Werbung.

„Die Provinz auf Weltniveau“? Pro Einwohner gerechnet studieren in keiner anderen Großstadt in Süddeutschland inzwischen mehr junge Menschen als in Würzburg. Der erste Grünen-Oberbürgermeister in Bayern? Wurde nicht an der Isar gewählt, sondern in der vermeintlichen Provinz am Main. Die erste bayerische Exzellenz-Universität außerhalb Münchens? Wetten werden entgegengenommen, Würzburg jedenfalls dürfte sehr gute Chancen haben.

Zu Monatsbeginn wurde bekannt, dass in einem Wettbewerb des Europäischen Forschungsrats gleich sechs Forschende aus Würzburg abgeräumt haben, auch das ein Spitzenwert. Da hat jemand, Trommelwirbel, ganz offenkundig einen Lauf. Es ist: das alte „Weinfass an der Autobahn“.

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