Mitten in Würzburg:Ein Bündnis ohne die Volksparteien

Linke und FDP? Grüne und Freie Wähler? Geht nicht zusammen, sollte man meinen. In Würzburg aber arbeiten nun sieben Parteien zusammen für eine gute Verkehrspolitik. Nicht eingeladen: CSU und SPD.

Von Olaf Przybilla, Würzburg

Es sind stürmische Zeiten, politisch. In Berlin sind gerade drei Parteien dabei, sich ein gemeinsames Klingelschild zu besorgen - vom geübten Gegner zum Koalitionär. Mit Blick nach Unterfranken ist das freilich vergleichsweise unspektakulär. Drei Parteien? In Würzburg sind sie da mehr als nur einen Schritt weiter. Dort haben sich nun sieben Stadtrats-Fraktionen und -Gruppen zusammengetan.

Zwar geht es, könnte man sagen, nur um eine gemeinsame Verkehrspolitik. Ein partielles Bündnis also. Aber wer einmal im Talkessel am Main um Luft rang, der ahnt, dass da von "nur" keine Rede sein kann. Verkehrspolitik ist das zentrale Thema der Universitätsstadt.

Nun mag man glauben: ah, die ganz große Koalition am Main. Läge damit aber zumindest begrifflich ziemlich daneben. Schließlich hat der grüne "Klimabürgermeister" - eine Wortschöpfung aus Würzburg - Martin Heilig für sein buntes Bündnis exakt jene beiden Parteien ausgespart, die man üblicherweise mit dem Begriff "große Koalition" verbindet. Am Ganzgroßbündnis von Würzburg nehmen nicht teil: CSU und SPD.

Warum? Sie wurden vorab offenbar gar nicht erst eingeladen. Dafür politische Parteien, deren politische Wesensverwandtschaft sich nicht auf den allerersten Blick erschließt. Die Linke und die FDP? In Würzburg entwickelt man nun gemeinsame Ideen. Die Grünen, die ÖDP und die Freien Wähler? Geht in der Domstadt offenbar zusammen. Würzburger Liste und Zukunft für Würzburg? Hätte man bislang eher für zwei Ufer des Mains gehalten. Jetzt wird gemeinsam gerudert.

Der Beginn der Kommunalwahl, viereinhalb Jahre vor derselben? Da jaulen natürlich alle auf: natürlich nicht! Es geht doch um Inhalte; und zwar möglichst viele Autos - und also Oberflächenparkplätze - aus der Kernstadt rauszukriegen. Und trotzdem haben die Grünen mit ihrem Coup selbstredend ihre Instrumente auf den Tisch gelegt.

Man sieht: In Würzburg, wo die Grünen 2018 das Direktmandat für den Landtag errungen haben, sind Mehrheiten nicht nur jenseits der Union - die dort den Oberbürgermeister stellt - möglich. Sondern sogar ganz ohne die "Volksparteien".

Spezifikum einer Unistadt? Klar. Aber von dort ging schon vieles aus, was später überall im Land Usus wurde.

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