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Prozess in Würzburg:Frauen heimlich beim Sex gefilmt

Prozess gegen Kickboxer wegen Vergewaltigung

Das Frauenbild des Angeklagten sei "ziemlich weit unten angesiedelt", sagt der Staatsanwaltschaft im Prozess in Würzburg.

(Foto: dpa)

Dass er das getan hat, gesteht ein angeklagter Kickboxer vor Gericht; dass er drei Frauen vergewaltigt haben soll, bestreitet er.

Rund ein Dutzend Frauen habe er ohne deren Einverständnis beim Sex gefilmt, vergewaltigt habe er jedoch keine - so lautete das Teilgeständnis eines 30-Jährigen am Mittwoch vor dem Landgericht Würzburg. Der Sex mit den Frauen sei einvernehmlich gewesen. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders und wirft dem Angeklagten neben der heimlich aufgezeichneten Sex-Videos auch drei Vergewaltigungen vor. Die Kammer äußerte ebenfalls Zweifel an der Aussage - unter anderem wegen der Schwere der Verletzungen bei einer der Frauen.

Der Mann hatte in Würzburg Lehramt studiert, hin und wieder gemodelt, Kickboxen war sein Hobby. Offensichtlich auch Treffen mit Frauen, die er über Handy-Apps wie Tinder und Lovoo kennenlernte. "Plattformen für flüchtige Begegnungen", beschreibt sie der Angeklagte im Prozess. Viele der Frauen kamen in seine Wohnung, das geht aus der Anklage hervor. Dass der Geschlechtsverkehr mit einer Laptop-Kamera oder dem Handy gefilmt wurde, davon wusste keine der rund ein Dutzend Betroffenen. Das gestand der Angeklagte am zweiten Verhandlungstag vor Gericht.

Veröffentlicht habe er keine der Aufnahmen, "nur einen Video-Schnipsel" habe er an einen Bekannten weitergeleitet. Auf seine Entschuldigung, er habe "niemanden bloßstellen oder beschämen" wollen, entgegnete der Staatsanwalt: "Mehr beschämen, als Sie es gemacht haben, ist nicht möglich." Das Frauenbild des Angeklagten sei "ziemlich weit unten angesiedelt". Dies gehe auch aus abfälligen und brutalen Äußerungen in Chat-Unterhaltungen hervor. Laut Anklage soll der Mann seinen Willen mit Gewalt durchgesetzt haben, wenn Frauen seinen sexuellen Wünschen nicht nachkamen.

Die Richter hatten am Vortag eindrücklich darauf hingewiesen, dass der Angeklagte bei einem Geständnis mit strafmildernden Umständen rechnen könne. Ansonsten stünde angesichts der schweren Vorwürfe auch eine Sicherungsverwahrung im Raum.

Der 30-Jährige gestand aber nur das heimliche Filmen - nicht die angeklagten Vergewaltigungen. Der Sex mit den Frauen sei einvernehmlich gewesen. Mit allen drei, die ihm nun Vergewaltigung vorwerfen, habe er zuvor über seine sexuellen Vorlieben gesprochen.

Mit der einen Frau, die angeblich "harten Sex" mit Schlägen und Würgen gefordert haben soll, war er im Juli 2018 in einer Bar in Würzburg. In einem Park soll es dann später zur mutmaßlichen Vergewaltigung gekommen sein. Mindestens eine Minute habe er sie gewürgt, so steht es in der Anklage. Für die Frau endete die Nacht im Krankenhaus. Die Polizei sprach damals von einem lebensbedrohlichen Zustand. Die Aussage der Betroffenen fand am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Laut dem Anwalt einer Nebenklägerin wich deren Schilderungen in einigen Punkten von der Aussage des Angeklagten ab.

Die Kammer äußerte offensichtliche Zweifel an der Aussage des Angeklagten. Immer wieder kam die Fragen nach dem Warum auf: Warum drei Frauen behaupten sollten, dass der Geschlechtsverkehr mit Ihnen erzwungen war?, fragte ein Richter. Auch der Staatsanwalt äußerte sich deutlich gegenüber dem ehemaligen Kickboxer: "Sie hatten heute Ihren großen Auftritt. Die nächsten Tage gehören den Geschädigten."

© dpa/sz.de/imei
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