Unterfranken:Drei Menschen sterben bei Messerattacke in Würzburg

Mitten in der Innenstadt ist ein Mann auf Passanten losgegangen. Die Motive des Täters sind noch unklar. Offenbar hatte er psychische Probleme, Bayerns Innenminister schließt allerdings auch ein islamistisches Motiv nicht aus.

Von Ingrid Fuchs, Clara Lipkowski und Ronen Steinke

Ein Mann hat in der Würzburger Innenstadt anscheinend wahllos Passanten attackiert und drei Menschen getötet. Nach Polizeiangaben wurden zudem fünf weitere Menschen verletzt, zwei davon lebensgefährlich. Unter den Verletzten ist nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auch ein kleiner Junge, dessen Vater wahrscheinlich getötet wurde. Der Minister war am Abend vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Der Angriff begann im Kaufhaus Woolworth, wo der Täter anfing, Menschen mit einem Messer zu attackieren. Drei Personen verletzte er dabei tödlich. Vor dem Geschäft griff er weitere Menschen an. Es versammelten sich mehrere Passanten, um den Mann aufzuhalten, bis die Polizei eintraf. Das legen Videos in den sozialen Medien nahe, auch Minister Herrmann bestätigte das. Die genauen Hintergründe der Attacke mitten in der Innenstadt sind noch unklar. Ein Großteil des Gebietes rund um den Barbarossaplatz ist abgeriegelt worden.

Bei der Festnahme schoss die Polizei auf den mutmaßlichen Täter, dabei erlitt der Mann einen Oberschenkeldurchschuss. Er ist aber nicht in Lebensgefahr. Bei dem Mann handelt es sich nach SZ-Informationen um den 24-jährigen Jibril A., der in Würzburg lebt. Innenminister Herrmann zufolge stammt der Mann aus Somalia und lebt bereits seit 2015 in Deutschland, zuletzt in einer Obdachlosenunterkunft. Er sei erst vor wenigen Tagen erstmals psychisch auffällig geworden und dann in Behandlung gewesen. In Sicherheitskreisen ist nach SZ-Informationen von einer Zwangseinweisung die Rede.

Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) zufolge war der Mann bereits polizeibekannt. Einen islamistischen Hintergrund hätten die bisherigen Strafteten nicht gehabt, heißt es von Seiten der Polizei, trotzdem schließt der Innenminister islamistische Motive nicht aus. Nach SZ-Informationen war der Mann bei den deutschen Terrorbekämpfern bislang nicht auf dem Schirm, auch als sogenannter Gefährder wurde er nicht geführt. Zu etwaigen Verbindungen zu islamistischen Gruppen gebe es bislang keine Anhaltspunkte, hieß es am Freitagabend.

In den Straßen waren am Nachmittag sehr viele Krankenwagen und zahlreiche Einsatzfahrzeuge der Polizei unterwegs gewesen. Noch am späteren Abend ist alles weiträumig abgesperrt. Die Terrassen der Restaurants in der Würzburger Innenstadt seien längst nicht so voll, wie an den anderen Abenden, seit man wieder ausgehen könne, sagt eine 34 Jahre alte Frau. Man sehe den Gesichtern der Menschen an, dass alle von der Attacke gehört hätten. Viele können wohl nicht fassen, dass so eine Tat in ihrer Stadt passiert ist.

Vor knapp fünf Jahren, am 18. Juli 2016, waren bei einer Attacke in einer Bahn bei Würzburg vier Menschen schwer verletzt worden. Ein 17-jähriger afghanischer Flüchtling hatte mit einer Axt und einem Messer in einem Regionalzug auf dem Weg nach Würzburg die Reisenden angegriffen. Anschließend flüchtete er zu Fuß, attackierte eine Spaziergängerin und wurde schließlich von Polizisten erschossen.

Die Polizei ruft nach der Messerattacke in der Innenstadt nun Zeugen auf, sich zu melden und Aufnahmen oder Infos zur Verfügung zu stellen. Außerdem bittet die Polizei darum, keine Videos oder Bilder in den sozialen Netzwerken zu posten. "Respektiert bitte die Privatsphäre der Opfer!", heißt es auf Twitter. In den sozialen Netzwerken gab es bereits kurz nach dem Ereignis erste Videos, die angeblich das Geschehen zeigen sollen.

© SZ.de/dpa/infu
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