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Würzburg:Mehrere Jungen aus Kita von Kinderporno-Fall betroffen

  • Im Würzburger Kinderporno-Fall konnten mehrere Opfer identifiziert werden.
  • Der 37-jährige Logopäde, der im Zentrum der Ermittlungen steht, soll Kinderpornos mit kleinen Jungen im großen Stil angefertigt und im sogenannten Darknet verbreitet haben.
  • Der Mann hatte freiberuflich in der Kindertagesstätte gearbeitet.

Im Würzburger Kinderporno-Fall sind mehrere offenbar betroffene Kinder von den Ermittlern identifiziert worden. Nach Angaben des Bamberger Oberstaatsanwalts Matthias Huber handele es sich um eine Anzahl mutmaßlicher Opfer "im einstelligen Bereich". Ermittler hatten vor drei Wochen eine dreistellige Zahl an Datenträgern mit kinderpornografischem Material sicherstellen können. Bei den Missbrauchsopfern handelt es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um Jungen einer Kindertagesstätte im Würzburger Stadtteil Heuchelhof, die der inhaftierte Beschuldigte dort als Logopäde behandelt hat. Diese sind nunmehr "zweifelsfrei identifiziert" worden, sagte Huber.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass entsprechende Aufnahmen offenbar "auch in den Räumen der Einrichtung" entstanden sind. Nach derzeitigem Ermittlungsstand gebe es keine Anhaltspunkte, dass der Missbrauch vom Personal der Kindertagesstätte bemerkt worden ist. Der Logopäde war in der Tagesstätte nicht fest angestellt, sondern freiberuflich tätig.

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Zunächst war im März auch der Partner des nun Beschuldigten festgenommen worden, der in der Tagesstätte in leitender Funktion beschäftigt ist. Gegen diesen erhärtete sich ein dringender Tatverdacht allerdings nicht, er ist wieder auf freiem Fuß. Sein Partner befindet sich seit dem 21. März in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird wegen des dringenden Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie der Herstellung und Verbreitung kinderpornografischer Schriften ermittelt.

Insgesamt wurde Datenmaterial mit einem Umfang von mehreren Terabyte gesichert, erklärte Polizeisprecher Björn Schmitt. Dieses werde weiter akribisch ausgewertet. Die Eltern betroffener Kinder sind über die Ermittlungsergebnisse inzwischen informiert worden, dabei wurde psychologisches Fachpersonal und ein Kriseninterventionsteam eingebunden. Auch der Träger der Kindertagesstätte, eine evangelische Gemeinde, sowie das Jugendamt der Stadt Würzburg sind informiert. Nun werde weiter an der Identifizierung möglicher weiterer Tatopfer und Tatorte gearbeitet. Auch der inhaftierte Mann hat inzwischen eine erste schriftliche Stellungnahme abgegeben. Diese werde nun ausgewertet, sagte Oberstaatsanwalt Huber.

Jan Paulsen, der Anwalt des 37 Jahre alten Logopäden, erklärte im SZ-Gespräch, man habe der Generalstaatsanwalt Bamberg eine Liste des Mandanten übergeben. Sie enthalte die Namen möglicher Opfer und die Örtlichkeiten, an denen der vorgeworfene Missbrauch stattgefunden haben soll. Weil sich der 37-Jährige entschlossen habe, mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren, enthalte die Stellungnahme auch ein Passwort, mit dem geschützte Bereiche des Computers entschlüsselt werden können. Die von den Ermittlern entdeckten pornografischen Aufnahmen waren im "Darknet" veröffentlicht worden. Als formales Geständnis sei diese Stellungnahme noch nicht zu betrachten, sagt ein mit dem Verfahren vertrauter Beteiligter. Andererseits könne der 37-Jährige diese Namen "wohl nur aus einem Grund wissen".

Die bisherige Leitung der Kindertagesstätte hat sich unterdessen entschlossen, ihr Amt ruhen zu lassen. Die Dekanin des evangelisch-lutherischen Dekanats Würzburg, Edda Weise, erklärte, man wolle die Kindertagesstätte weiterführen. Das sei aber nur "mit dem Vertrauen der Familien und Mitarbeiter möglich". Nun werde eine neue kommissarische Leitung eingesetzt. Es sei der Einrichtung ein "tiefes Anliegen, auf die Bedürfnisse und Ängste der Kinder und ihrer Eltern" zu reagieren. Als Träger der Einrichtung sei man "verantwortlich für die Sicherheit und das Wohlbefinden" von Kindern und Eltern. Von den ermittelten Erkenntnissen sei man "tief betroffen und bestürzt". Der Sprecher des Dekanats, Walter Weiss, erklärte, während der laufenden Ermittlungen sei der stellvertretende Leiter der Einrichtung schon seit 21. März vom Dienst freigestellt.