WürzburgEine Stadt in den Fängen grüner Weltverbesserer – oder doch nicht?

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Ein paar Bäume stehen auch in Würzburg. Nun aber sollen es immer mehr werden.
Ein paar Bäume stehen auch in Würzburg. Nun aber sollen es immer mehr werden. Florian Peljak

Im Stadtrat sitzen schon lauter Grüne. Nun hat in der Unistadt am Main auch noch der erste Grünen-OB Bayerns die Amtsgeschäfte übernommen. Warum das gar nicht so schlimm ist und die Metzger weiter Bratwürste verkaufen dürfen.

Glosse von Olaf Przybilla

Stärkste Fraktion im Würzburger Stadtrat sind die Grünen ohnehin schon, seit 1. Juli 2025 ist auch noch das Stadtoberhaupt ein Grüner – Bayerns erster Grünen-Oberbürgermeister überhaupt. Da dürfte es jedem klar gewesen sein, was jetzt umgehend geschehen würde: Körnerzwang in den Kitas, ein Raderlass im Rathaus, flächendeckende Heizungshämmer allerorten.

Und nicht nur das: Standbetreiber, die auf dem Markt weiter ihre feine Würzburger Bratwurst über die Theke reichen wollen, müssen sich künftig auf eine Anpassung der Standgebühr in Höhe von etwa 280 Prozent gefasst machen. Metzger wiederum, die aus freien Stücken auf Grünkernbratlinge umsteigen, werden mit je zwölf Kisten aus den neuen Bocksbeutel-Beständen der Stadt unterstützt. Die sind jetzt alkoholfrei.

Das schwedische Möbelhaus in der Unistadt darf mit neuem Bauland planen, sollte es sich bereit erklären, sämtliche Alt-Lagerbestände ihrer Armleuchtermarke namens „Söder“ abzuverkaufen. Und WürzburgerInnen, die bei Instagram anstandslos umsteigen von ihrem „#Söderisst“-Abo auf das Würzburger „#Söder-ist-hier’n-Stück-weit-nicht-so-gut-gelitten“, sind herzlich eingeladen, an einer der  „Laktosefrei&glücklich“-Sausen auf der Alten Mainbrücke teilzunehmen. Die sollen auf lange Sicht den „Brückenschoppen“ ersetzen. Der steht neuerdings unter Spaßverdacht.

Würzburger beim „Brückenschoppen“.
Würzburger beim „Brückenschoppen“. Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Moment, sorry, ein Fiebertraum.

Nichts von alledem ist eingetreten. Ganz im Gegenteil. In Würzburg haben sich gerade alle richtig lieb. Nach den Maximal-Aufwühlungen im Wahlkampf – als der CSU dämmerte, dass die Grünen dort Historisches erreichen könnten – stehen sämtliche Zeichen auf Frieden in der Stadt. Und das keine acht Monate vor der Kommunalwahl. Darf man ja nicht vergessen: Zwar hatte Würzburg die OB-Wahl vorgezogen, ein neuer Stadtrat aber wird dort im März auch gewählt, wie überall in Bayern.

Ob der neue Stadtfrieden damit zu tun hat, dass die Würzburger CSU nach ihrem Wahlfiasko nahezu die gesamte Führung ausgetauscht hat, samt Vorsitzendem? Mag sein. Jedenfalls kochten nicht mal in dem Moment die Emotionen hoch, als die ehemalige SPD-OB-Kandidatin kürzlich zur neuen Sozialreferentin der Stadt gewählt worden ist. Anlass zur Polemik hätte es womöglich gegeben: Die SPD hatte vor der Stichwahl zwischen dem Grünen Martin Heilig und der CSU-Frau Judith Roth-Jörg eine mehr als deutliche Empfehlung ausgesprochen. Zugunsten des jetzigen Amtsinhabers.

Stopp. Da ist er doch, der erste Würzburger Zoff über die Wolkenkuckucksheime aus der Ideologie-Schmiede dauer-dogmatischer Grüner: Aus dem angenehm steinwüstenartigen Marktplatz im kuscheligen Talkessel am Main soll jetzt tatsächlich eine grüne Oase mit mobilen Kübel-Bäumen werden. Wie weltfremd muss man denn bitte sein?

Oh, Verzeihung. Das will die CSU. Okay. Aber, ha: Die Grünen wollen bestimmt mehr Schatten und noch besseren Schatten! Wusste man’s doch: Weltverbesserer, notorische.

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Würzburgs Grünen-OB im SZ-Interview
:„Ich esse meine Bratwurst sehr gern“

Martin Heilig, der erste Grünen-Oberbürgermeister in Bayern, war Oberstudienrat. Oberlehrer aber will er definitiv nicht sein. Vegan ernährt er sich nicht. Und das Gendern? Würde er auch keinem vorschreiben – damit sich niemand „die Zunge bricht dabei“.

SZ PlusInterview von Olaf Przybilla

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