Festakt für Barbara Stamm„Sie fehlt uns bitter“

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Zwei, die sich schätzten: Günther Beckstein und Barbara Stamm bei Becksteins Wahl zum Ministerpräsidenten im Jahr 2007.
Zwei, die sich schätzten: Günther Beckstein und Barbara Stamm bei Becksteins Wahl zum Ministerpräsidenten im Jahr 2007. Astrid Schmidhuber/Imago

Zwei Jahre nach ihrem Tod versammeln sich Freunde und Weggefährten zum 80. Geburtstag der früheren CSU-Politikerin Barbara Stamm. Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein mahnt die Staatsregierung zu mehr Sozialpolitik – und einen ganz besonders.

Von Katja Auer, Würzburg

Hätte Barbara Stamm ihren 80. Geburtstag an diesem Dienstag noch feiern können, dann wäre es da sicher lustig zugegangen. Aber auch wahnsinnig anstrengend, so vermutet es zumindest der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein, selbst kurz vor seinem 81. Geburtstag stehend. „Weil ich garantiert nicht mehr nach Nürnberg heimgekommen wäre, weil die Feier und die Nachfeier und der Ausklang bei einem Gläschen Wein“ sehr lang gedauert hätten, sagt Beckstein.

Dieses Fest ist der ehemaligen Landtagspräsidentin, CSU-Übermutter und fränkischen Fastnachts-Ikone nicht vergönnt gewesen, vor gut zwei Jahren ist sie gestorben, und so haben sie in Würzburg ohne sie feiern müssen. Das freilich hätte ihr schon gefallen, ein Festakt im Ratssaal ihrer geliebten Heimatstadt und so viele Gäste, dass man problemlos gleich mehrere Gremiensitzungen der CSU, etliche Vorstandssitzungen ihrer liebsten Initiativen und sogar eine interreligiöse Tagung der Würzburger Glaubensgemeinschaften hätte abhalten können – wenn auch mit klarem Überhang des katholischen Spitzenpersonals.

Der Festredner hingegen ist evangelisch, was der Gastgeber, Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU), eigens betont, schließlich war Günther Beckstein der erste bayerische Ministerpräsident dieser Konfession. „Sie haben Markus Söder den Weg bereitet“, so sieht Schuchardt das.

Beckstein nimmt sich in seinem Festvortrag „Das Soziale in der Politik der Gegenwart“ vor. Es sei, kurz zusammengefasst, nicht gut darum bestellt und Barbara Stamm, die nicht nur von politischen Freunden als das soziale Gewissen der CSU bezeichnet wurde, fehle an jedem Tag.

Die beiden waren langjährige Weggefährten, politisch nicht immer einer Meinung, aber eng verbunden – auch als leidenschaftliche Franken. Beckstein, der sich als Innenminister den Ruf als harter Hund erworben hatte, nannte seinen christlichen Glauben immer wieder als Fixpunkt auch seines politischen Handelns. Wie Barbara Stamm, der das C in der CSU wie das S sehr wichtig war.

Damit ist es nach Becksteins Analyse offenbar nicht mehr weit her, er kritisiert die Bundespolitik, spart aber auch nicht mit Mahnung an die eigenen Leute in München. So sei die Sozialpolitik aus der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend verschwunden, „obwohl die Sozialpolitik für das Ansehen von der Politik und des Staates von besonderer Bedeutung ist“.

Alles auf die Bundesregierung zu schieben, hätte Stamm genervt, sagt Beckstein

Beckstein spricht über die Krankenhausreform, die große Auswirkungen auf das noch immer ländlich geprägte Bayern habe. Dabei nur auf die Bundespolitik zu schimpfen, sei zu wenig. „Die Wortmeldungen aus Bayern erlebe ich derzeit als zaghaft“, sagt Beckstein und vermutet, „die Barbara Stamm hätte sich so geäußert, dass es durch ganz Deutschland gehallt hätte“. Bayern müsse gestaltend tätig werden, was aber „mutige Abwägungen und unpopuläre Entscheidungen verlangen würde“. Die Festlegung, wo Krankenhäuser notwendig und wie sie ausgestattet sind, sieht Beckstein als Aufgabe der Landespolitik. Stamm hätte es genervt, wenn man alle Fehler nur der Bundespolitik zugeschoben hätte, sagt er.

Er redet über den Ärztemangel, über fehlende Pflegekräfte, über die Frage, wie viel Sozialstaat bei allen Finanzproblemen noch möglich sein werde. Er sehe nicht, dass sich „die aktuelle Politik ernsthaft mit dem Problem der Pflege beschäftigt“, sagt Beckstein. Eine Lösung habe er nicht, müsse er auch nicht, er sei nie Sozialpolitiker gewesen und stehe kurz vor seinem 81. Geburtstag. In seiner aktiven Zeit jedoch hätte er etwas ganz Einfaches gemacht, sagt er: „Ich hätte gefragt, Barbara, was meinst du?“

Die Integration der Geflüchteten, Armut, Digitalisierung – Beckstein lässt wenig aus. Es wird trotz der wenig hoffnungsvollen politischen Analyse eine beinahe liebevolle Verneigung vor dieser Politikerin, wie es in der CSU seitdem keine mehr gibt. „Sie fehlt uns bitter“, sagt Beckstein. Das sei möglicherweise ungerecht denen gegenüber, die jetzt in diesen Bereichen arbeiteten, er spricht die aktuelle Gesundheitsministerin Judith Gerlach an, selbst Unterfränkin, die allerdings erst später zum Festakt dazukommt. „Aber es dauert, bis man sich Reichweite und Tiefe erarbeitet. Ein Bild vom Döner-Essen ergibt eben mehr Follower als ein Aufsatz oder eine Rede über Armut.“ Das richtet sich an den zweiten evangelischen Ministerpräsidenten Bayerns, so viel Interpretation sei erlaubt. Und man sieht Barbara Stamm im Geiste zustimmend nicken.

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