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Wolfratshausen:Stoiber bekommt Plakette auf dem Wolfratshausener "Walk of Fame"

Former Bavarian state premier and leader of Christian Social Union (CSU) Stoiber delivers his speech at the party's traditional Ash Wednesday meeting in Passau

Der ehemalige Ministerpräsident Stoiber kann sich freuen: Er erhält eine besondere Ehrung seiner Heimatstadt Wolfratshausen.

(Foto: REUTERS)

Zwei Preisträger haben die Auszeichnung seines Heimatortes schon vor ihm bekommen: ein Kinderchor und eine Dame mit absurd langer Filzschnur.

Als großer Schauspieler wird Edmund Stoiber wohl nicht in die Geschichte eingehen - es sei denn, er hätte sich doch immer bloß verstellt oder er hätte womöglich all die Jahre nur einen Kabarettisten namens Wolfgang Krebs parodiert. Unabhängig davon wurde Stoiber oft als Komödiant wahrgenommen, ehe er als Tragöde von Kreuth zuerst auf die Brüsseler Hinterbühne abging und dann aufs Altenteil nach Wolfratshausen.

Aber Regieführen zählt ja auch, und da reicht Stoibers bisherige Lebensleistung inzwischen locker für eine Plakette am Walk of Fame. Gedanken, ob Stoibers Stern jetzt eher auf der Nord- oder auf der Südseite des Hollywood Boulevard niedergehen soll, sind allerdings müßig, denn Stoibers Platz ist in Wolfratshausen, und zwar vor der dortigen Loisachhalle.

Der ehemalige Ministerpräsident ist derzeit der einzige Ehrenbürger seines Wohnorts, aber was den Wolfratshauser Walk of Fame betrifft, ist er nur die Nummer drei: Vor ihm wurde im vergangenen Jahr der Kinderchor der städtischen Musikschule in Messing gepresst, und als erster widerfuhr die Ehre 2013 einer Frau, die es durch das Zusammenfügen der längsten Filzschnur der Welt zuvor ins Guinnessbuch der Rekorde gebracht hatte.

Wie der Kinderchor hat sie Wolfratshausen dadurch offenbar "mit außergewöhnlichen Leistungen in Kultur, Sport oder Politik" überregional bekannt gemacht, was laut den Statuten Bedingung für eine Aufnahme in den Walk of Fame ist. Und diese Bedingung sieht eine Jury aus Bürgermeister, Kulturreferent und Mitgliedern des Vereins "Lebendige Altstadt Wolfratshausen" nun bei Stoiber gleich "in überdurchschnittlicher Weise" erfüllt.

Denn während die aufgewickelte Filzschnur irgendwo herumkugelt, ist Stoiber laut Jury der "bekannteste Werbeträger der Stadt". Er hat sie demnach weniger durch verfilzte Sätze bekannt gemacht, als vielmehr durch das "Wolfratshauser Frühstück" im Jahr 2002. Aus dem Frühstück mit Angela Merkel ist Stoiber als Kanzlerkandidat hervorgegangen, Kanzler ist dann aber wieder Schröder geworden - und danach Merkel. Dafür hat Stoiber inzwischen mehr Zeit, auch am 6. Oktober. Dann wird seine Platte vor der Halle enthüllt.

© SZ vom 22.02.2017/libo

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