Oswald Fischbacher dürfte am Sonntag, 2. Juli, der älteste Läufer beim Wolfratshauser Stadtlauf sein. "Ossi", wie ihn seine Freunde vom TSV Wolfratshausen nennen, ist 83 Jahre alt und kann auf eine beachtliche Läuferkarriere zurückblicken. Seinen eigenen Aufzeichnungen nach ist er in seinem Leben 110 000 Kilometer gelaufen und hat an mehr als 500 Wettkämpfen teilgenommen. Am Sonntag absolviert der gebürtige Österreicher die Fünf-Kilometer-Runde zu Ehren seines Sportkameraden Anderl Huber, der im März gestorben ist.
SZ: Herr Fischbacher, andere Leute in Ihrem Alter sind froh, wenn sie ohne Schmerzen sitzen können. Was ist Ihr Geheimnis?
Ossi Fischbacher: Geheimnis ist da keines. Ich hab mich mein ganzes Leben lang bewegt, schon als Kind. Skifahren, Wandern Klettern, das hat für mich immer dazugehört. Zum Laufen bin ich aber erst mit 40 Jahren kommen.
So spät, warum?
Ich war Maurer und hatte mit 35 einen schweren Arbeitsunfall - mit Wirbelbruch und kaputter Kniescheibe. Vier Jahre später hab ich dann bei einer Kur einen Kollegen kennengelernt, der gesagt hat: Fang zu laufen an, das bringt dir was! Ich hab gesagt: Wie soll ich laufen, wenn ich keine 500 Meter zu Fuß gehen kann? Und er hat gesagt: Probier's, das ist die beste Therapie! Am nächsten Morgen hat er mich mit zum Training genommen.

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Und das hat funktioniert?
Anfangs bin ich eher gegangen. Aber nach den vier Wochen Kur konnte ich zwei Kilometer joggen. Daheim hab ich weitergemacht, nicht viel, aber beständig, und nach zwei Jahren hab ich an den ersten Volksläufen teilgenommen. Meine Zeiten waren natürlich schlecht, aber ich hab's durchgestanden. Das hat mich motiviert. Nach sieben Jahren hab ich dann meinen ersten Marathon gemacht. Davon hatte ich lange geträumt. Ich hab mich gesund gelaufen.
Wie kamen Sie zum TSV?
Da hat mich der Huber Anderl hingebracht. Er hat mich überredet und mir auch gezeigt, wie man trainiert - Schnelligkeit, Ausdauer. Nach zwei Jahren beim TSV wurde ich österreichischer Meister über 10 000 Meter bei den Senioren. Dann ging es richtig los mit den Wettkämpfen, zweimal war ich bei den Euromeisterschaften dabei. Mit dem Anderl hab ich auch extreme Sachen gemacht: 80-Kilometer-Läufe, 100-Kilometer-Läufe, 24-Stunden-Läufe, zudem zehn, zwölf Bergläufe im Jahr. Der ärgste war der Jungfrau-Marathon in der Schweiz: 42 Kilometer und über 2000 Höhenmeter. Dreimal hab ich den gemacht, zuletzt mit 63.
Am Sonntag haben Sie sich fünf Kilometer vorgenommen. Wie lange werden Sie dafür wohl brauchen?
Oh, lang! Als der Anderl im März gestorben ist, da ist mir der Gedanke gekommen, dass ich im Sommer für ihn laufen werde. Und da hab ich angefangen zu üben. Jetzt schaffe ich die fünf Kilometer. Und brauche etwa 55 Minuten - früher bin ich das unter 19 gelaufen. Aber ich bin in Laufbewegung und schau auch, dass ich meine Beine schön hebe, dass es nicht gschlampert ausschaut. Mein Laufstil war immer gut.
Beneiden Sie die jungen Läufer, die am Sonntag an Ihnen vorbeiziehen werden?
Schon, da denk ich dann schon: So gut war ich auch einmal beinand. Aber das muss man halt akzeptieren, dass es nicht mehr so geht. Das hat bei mir eine Zeit gedauert. Was schön ist: Am Sonntag schickt mir der Alfred Barth vom TSV zwei Spitzenläufer als Begleiter mit, weil ich ja nicht mehr der Jüngste bin. Der Klaus Mannweiler und der Jürgen Habel werden mit mir laufen, dann bin ich nicht allein, das ist super.
Wann haben Sie gemerkt, dass Sie nicht mehr so können, wie Sie wollen?
Mit 65, da haben die Kniegelenke nicht mehr mitgemacht. Ich hab lange nicht gewusst, wo meine Grenzen liegen, bin 30 Marathons gelaufen. Mit 57 habe ich noch die 24-Stunden-Läufe gemacht, weil ich ausprobieren wollte, wie weit ich gehen kann. Danach hab ich es dann gewusst: 24 Stunden, mehr geht nicht.
Wenn Sie heute Ihre Laufschuhe schnüren, was überwiegt: die Vorfreude oder der Kampf gegen den inneren Schweinehund?
Die Vorfreude! Überwinden muss ich mich nicht. Gerade komme ich aus dem Fußballstadion und bin drei Kilometer gelaufen. Ich mach das liebend gern! Das Joggen tut mir gut. Da hol ich mir meine Energie und meine Kraft. Ich bin kerngesund, organisch passt alles. Vor zwei Jahren habe ich ein künstliches Knie bekommen, das passt auch wunderbar. Mir geht's gut!
Infos unter www.stadtlauf.net

