Guten Tag Herr BayernKaiser, Herzog, Erbprinz – wie redet man denn nun den Adel an?

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Die bayerische Königskrone gibt es noch immer. Sie wird in der Schatzkammer der Münchner Residenz verwahrt. Die Monarchie selbst dagegen ist seit Langem Geschichte.
Die bayerische Königskrone gibt es noch immer. Sie wird in der Schatzkammer der Münchner Residenz verwahrt. Die Monarchie selbst dagegen ist seit Langem Geschichte. Foto: Stephan Rumpf

Seit 1919 sind die Privilegien des Adels abgeschafft. Und dennoch gibt es bis heute Streit um die Benutzung der Titel. Über eine sehr spezielle Neid-Debatte.

Glosse von Sebastian Beck

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Die folgenden Zeilen werden aus einem republikanischen Geist heraus geschrieben. Es wäre also schade, wenn Leser nur deshalb das Abo kündigen, weil sie glauben, der Verfasser sei ein verkappter Monarchist. Um es also gleich zu beichten: Der Autor hat bereits mehrmals im Kontext mit dem Chef des Hauses Wittelsbach die Bezeichnung „Herzog Franz von Bayern“ benutzt, sowohl fahrlässig als auch vorsätzlich.

Das ärgert nicht nur einige Leser, sondern auch gesetzestreue Kollegen. Sie weisen durchaus zu Recht darauf hin, dass seit dem 4. August 1919 die Monarchie samt Adelstiteln und Privilegien abgeschafft ist. Seitdem sind alle Menschen von Geburt an gleich, sofern sie nicht ein paar Millionen oder Milliarden geerbt haben. Der Adelstitel darf nur noch als Bestandteil des Namens geführt werden, korrekt müsste es also heißen: Franz Herzog von Bayern. Einzige Ausnahme war Franz Beckenbauer, der als Kaiser Franz und nicht als Franz Kaiser tituliert werden musste.

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Vor einigen Jahren war die SZ einmal bei einem sehr smarten und im Sinne des Gesetzes Ex-Adeligen zu Gast, dessen Name ungefähr vier SZ-Zeilen lang war. Auf die Frage, wie man ihn denn nun anreden solle, antwortete er: „Erbprinz reicht.“ Ja gut, dann halt ganz locker Herr Erbprinz.

Andererseits ist es so, dass außer vielleicht ein paar Jusos in Bayern niemand auf die Idee käme, den Chef des Hauses Wittelsbach mit „Guten Tag Herr Bayern“ oder „Hallo Herzog“ anzureden. Im Gegenteil: Wenn der 92-Jährige irgendwo auf der Gästeliste steht, dann wenigstens als „Herzog Franz von Bayern“ oder gar als „Seine Königliche Hoheit“, abgekürzt mit „S.K.H.“

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Fast glaubt man auch ein leichtes Tremolo der Sehnsucht und des Neids herauszuhören, wenn S.K.H. von Landtagspräsidentin MdL Ilse Aigner oder Ministerpräsident MP Markus Söder begrüßt wird. Vielleicht liegt das daran, dass die Wittelsbacher 738 Jahre lang Bayern regiert haben, während die CSU bereits nach 69 Jahren durchgehender Regentschaft unter Sarkopenie leidet. Bis zum Jahr 2695 wird es die Partei kaum schaffen. Kurfürst Karl Theodor brachte es übrigens auf 50 Jahre Regierungszeit, MP Söder muss schon nach acht Jahren die Revolution fürchten. Wenigstens darf er nach der Abdankung den Titel „Ministerpräsident a.D.“ weiter führen.

Nein, es besteht derzeit keine akute Gefahr, dass die Wittelsbacher wieder nach der Krone greifen, egal, wie man die Familienmitglieder nun bezeichnet. Seine Königliche Hoheit Herzog Franz von Bayern wird dem sicherlich beipflichten.

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