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Wissenschaft:Die Suche nach der Dunkelziffer

Coronavirus - Nürnberg

Derzeit können in Bayern täglich 19 000 Corona-Tests analysiert werden. Bei Bedarf kann die Kapazität auf 30 000 erhöht werden.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Studie in Tirschenreuth soll Aufschluss über Infektionen geben

Von Dietrich Mittler, Regensburg

Der Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth, der als einer der größten Corona-Hotspots bundesweit in die Schlagzeilen geriet, soll jetzt Wissenschaftlern der Universitätskliniken Regensburg und Erlangen als Studienregion dienen. Wissenschaftsminister Bernd Sibler stellte am Freitag in Regensburg das Projekt "Prospektive Covid-19-Kohorte Tirschenreuth" vor, das vom Freistaat mit 650 000 Euro gefördert wird. Hauptziel der geplanten Studie ist, durch Antikörpertests an 3600 Einwohnern des Landkreises möglichst solide Werte zu erhalten, wie viele Menschen sich im Kreis Tirschenreuth tatsächlich mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert haben. Neben den bestätigten Infektionsfällen ist davon auszugehen, dass bei einer noch unbekannten Zahl an Infizierten keine Symptome der Lungenkrankheit Covid-19 aufgetreten sind. Ließe sich deren Zahl errechnen, so könnte dies wichtige Erkenntnisse über die Bevölkerungsimmunität liefern, die laut Sibler "vielleicht sogar für die ganze Welt" hilfreich seien.

Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sind im Kreis Tirschenreuth - Stand 7. Mai - aktuell 1117 Corona-Fälle gemeldet. Statistisch auf 100 000 Einwohner gerechnet, wütete der Erreger in diesem Landkreis mit seinen gut 72 000 Einwohnern also heftiger als etwa in München.

Bei der Studie arbeiten Experten der Universitätskliniken Regensburg und Erlangen eng zusammen. Die Testpersonen sollen mehrmals - jeweils im Abstand von vier bis sechs Monaten - auf Antikörper untersucht werden. Im optimalen Fall können die ersten Testungen bereits Ende Mai, spätestens aber von Anfang Juni an stattfinden. "Wir werden lernen, wie sich die Infektionen in der Population im Landkreis Tirschenreuth über die Zeit entwickelt haben", sagte Ralf Wagner vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Regensburg. Zu erwarten seien auch Erkenntnisse "über die Langlebigkeit der Immunantwort" - sprich, wie lange bereits Infizierte immun bleiben.

Die neue Studie soll aber auch dazu dienen, "die Antikörpertestung zu verbessern", wie Klaus Überla, Chef des Virologisches Instituts am Universitätsklinikum Erlangen, sagte.

© SZ vom 09.05.2020

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