Wissenschaft Augsburg lockt Spitzenforscher an

  • Im Innovationspark in Augsburg, in den der Freistaat und die Stadt viel Geld und große Hoffnung stecken, sollen bis zu 5000 Arbeitsplätze entstehen.
  • Die ersten Unternehmen, Institute, Ingenieure und Professoren haben sich schon angesiedelt.
  • Am Sonntag wird der Innovationspark offiziell eröffnet.
Von Stefan Mayr, Augsburg

Der Herr Professor zeigt sich sehr angetan. "Hier ist schon extrem viel entstanden, das wird hier eine Carbon-Region, die europaweit einmalig ist." Stefan Schlichter ist Professor für Maschinenbau und einer der Mieter des neuen Technologiezentrums Augsburg (TZA), das am Sonntag eröffnet wird.

Das TZA gehört zum sogenannten Innovationspark, in den der Freistaat und die Stadt viel Geld und große Hoffnung stecken. Bis zu 5000 bestens bezahlte Arbeitsplätze - so die Vision - könnten hier eines Tages entstehen.

Das Fernziel lautet erstens: ein bedeutender Entwicklungsstandort zu werden für Leichtbau und Ressourceneffizienz, für Mechatronik und das Internet der Dinge. Zweitens: Die chronisch klamme Stadt will ihr traditionell geringes Einkommens- und Gewerbesteueraufkommen steigern. Augsburg leidet als "verlängerte Werkbank" darunter, dass es nur wenige gut bezahlte Arbeitsplätze gibt. In der Stadt leben überdurchschnittlich viele Menschen mit Migrationshintergrund, viele Sozialhilfe-Empfänger und wenige Topverdiener.

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Der Innovationspark soll Ingenieure und Professoren anlocken. Dies ist, in kleinem Maßstab, schon gelungen. Das Fraunhofer-Institut und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sind schon länger da. Und jetzt zieht Stefan Schlichter mit seinem Institut für Textiltechnik Augsburg (ITA) in das dritte neue Gebäude, das Technologiezentrum. Dies ist ein durchaus bemerkenswerter Aufschlag.

Denn das ITA gehört zur Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule im fast 600 Kilometer entfernten Aachen. Die RWTH gilt als größte Technische Universität Deutschlands und kommt vom Renommee her gleich hinter der TU München. Was die Aachener ausgerechnet in Augsburg zu suchen haben? "Wir sind gekommen, weil es hier Zugang zu interessanten Forschungsthemen gibt", sagt Stefan Schlichter. "Die RWTH hat dieses industrielle Umfeld nicht." Schlichter hofft hier auf Aufträge aus der Wirtschaft zum "Megathema Leichtbau". Er forscht an Kohlefaserverbundwerkstoffen (Carbon), diese gelten als Leichtbaumaterial der Zukunft für Autos, Flugzeuge und Maschinen.

Das TZA bezeichnet Schlichter als "ideale Sache". Nicht zuletzt, weil Fraunhofer und DLR "fußläufig erreichbar" sind. Weitere Ansiedlungen stehen bevor: Die Universität Augsburg wird nebenan ihr Institut für Materials Resource Management (MRM) hochziehen. Zudem soll ein zweites Fraunhofer-Institut für ressourcenschonende Maschinen eingerichtet werden. Es tut sich also einiges, auch wenn das Fernziel 5000 Jobs noch weit entfernt ist.

Alles dreht sich um eine Werkhalle

Das Herz des TZA ist eine 3000 Quadratmeter große und 14 Meter hohe Werkhalle mit zwei 20-Tonnen-Kränen. Außen herum gruppieren sich etliche Büros und Konferenzräume. Geschäftsführer Wolfgang Hehl spricht von "betreutem Forschen" und "innovativen Biotopen". 24 Firmen mit etwa 100 Mitarbeitern haben sich bislang im TZA eingemietet. Damit sind allerdings erst 40 Prozent der 12 000 Quadratmeter Nutzfläche vergeben. Kritiker bezeichnen das TZA deshalb als Fehlplanung und Steuerverschwendung. Aber Augsburgs Wirtschaftsbürgermeisterin Eva Weber (CSU) gibt sich zufrieden: "Wir sprechen hier von Wirtschaftsförderung und nicht von einem Immobilien-Renditeobjekt", sagt sie. "Wir wollen Wertschöpfung in die Region bringen und sie hier halten."

27 Millionen Euro hat der Neubau zwischen Fußballarena und Universität gekostet. 10,5 Millionen hat der Freistaat zugeschossen. Stadt und Landkreis Augsburg steuern anfangs pro Jahr eine Million als Darlehen zu den Betriebskosten bei. Stefan Schlichters Institut startet im TZA mit vier festen Mitarbeitern. Der Chef kündigt allerdings schnelles Wachstum an - bis auf 40 Personen. "In wenigen Jahren", sagt Eva Weber, "wird sich das TZA amortisiert haben."