Wirtschaft:Protest gegen Stellenabbau

MAN-Mitarbeiter in Gersthofen fürchten um ihre Arbeitsplätze

Von Thomas Stöppler, Augsburg

Etwa 50 Beschäftigte des Lastwagenbauers MAN haben am Dienstag vor dem Servicestandort Gersthofen gegen die geplanten Entlassungen protestiert. Die IG Metall hatte zum bundesweiten Aktionstag aufgerufen. An Servicestandorten wie Gersthofen sollen 1500 Stellen abgebaut werden, das wäre jeder dritte Arbeitsplatz. Ob diese zu den 9500 Arbeitsplätzen gehören, die die VW-Tochter weltweit abbauen will, ist unklar.

Der Gersthofener Betriebsratsvorsitzende Peter Botye sagte der SZ, dass man vor allem die Mitarbeiter informieren wollte. Diese hatten ebenso wie der Betriebsrat von den geplanten Entlassungen aus der Presse und nicht von der Geschäftsleitung erfahren. Überhaupt scheint es bei der Kommunikation zu hapern: Weder der Betriebsrat noch die IG-Metall seien informiert, wann die entscheidende Sitzung zwischen dem Wirtschaftsausschuss des Betriebsrats und der Geschäftsleitung stattfinde, und eben auch nicht, wie viele Mitarbeiter an welchen Standorten um ihren Job fürchten müssen. Das kenne er so nicht bei MAN, erklärte Botye, sonst sei es immer "wie bei einer großen Familie gewesen".

"Getanzt hat keiner", beschrieb Botye dementsprechend konsterniert die Stimmung. Zu Forderungen oder möglichen Streiks konnte sich weder er noch die IG-Metall äußern. Beide verwiesen darauf, dass man schlicht noch zu wenig wisse. Die Aktion sei dennoch ein wichtiges Signal, erklärte Steffen Pampollas, Betriebsbeauftragter der IG Metall für die Servicestandorte von MAN: "Die Leute sind auf jeden Fall bereit, für ihre Arbeitsplätze zu kämpfen und sind nicht bereit, sich das gefallen zu lassen". Irritierend sei dabei auch, dass gerade an den Servicestandorten die Auslastung hoch und das Arbeitspensum mit weniger Angestellten kaum zu bewältigen sei. Überraschend sind die Entlassungen weder für die Gewerkschaft noch für den Betriebsrat. Schon im vergangenen Jahr hatte die Geschäftsleitung angekündigt, Stellen abbauen zu wollen. Allerdings laut Botye "bei weitem nicht so viele".

MAN hatte vor knapp zwei Wochen angekündigt, in Deutschland und Österreich 9500 Stellen streichen zu wollen. Das entspräche einem Viertel der Beschäftigten. MAN will so knapp zwei Milliarden Euro sparen.

© SZ vom 23.09.2020
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