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Wirtschaft:Ingolstadt will das Silicon Valley Deutschlands werden

Ingolstadt

Die Altstadt und das Audi-Werk könnten bald nicht mehr alles sein, das die Menschen nach Ingolstadt lockt.

(Foto: Armin Weigel/dpa)
  • In Ingolstadt gibt es mehr als das Audi-Werk: Auch eine Start-up-Szene ist dort aktiv.
  • Voraussichtlich im Sommer wird das Digitale Gründerzentrum (DGZ) seinen Betrieb aufnehmen.
  • Das Ziel der Einrichtung: Sie soll sich in den kommenden Jahren zu einem bundesweiten Zentrum für digitale Mobilität entwickeln.

Von Maximilian Gerl, Ingolstadt

Ingolstadt ist unter anderem bekannt für einen Autobauer, die Donau, Ministerpräsident Horst Seehofer. Außerdem für den Roman "Frankenstein", dessen gleichnamiger Doktor hier ein Monster erschafft, oder neuerdings den Korruptionsskandal am Klinikum, eine andere, weniger fiktive Geschichte. Wofür Ingolstadt kaum bekannt ist: Digitalisierung. Start-up-Mentalität. Silicon Valley.

Noch jedenfalls. Die Stadt will das ändern. Voraussichtlich im Sommer wird das Digitale Gründerzentrum (DGZ) seinen Betrieb aufnehmen. Das beschreibt der zukünftige Geschäftsführer Franz Glatz als "Szenetreff aller Digital Nerds, Digital Nomads, Entrepreneurs und Start-ups der Region". Gründer sollen dort ein bestmögliches Umfeld vorfinden, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, vor allem zum Thema Mobilität. Oberbürgermeister Christian Lösel sagt: "Unser Ziel ist es, die Einrichtung in den kommenden Jahren zu einem bundesweiten Zentrum für digitale Mobilität zu entwickeln."

Große Hoffnungen liegen dabei auf dem Navigationsdienst Here, der vor Kurzem am DGZ als Partner einstieg. Here erstellt Straßenkarten und verbindet sie mit Verkehrsdaten. Früher gehörte Here zu Nokia, 2015 wurde die Sparte von Audi, BMW und Daimler gekauft. Wie alle Technologieunternehmen ist Here an digitalen Innovationen interessiert. Das können zum Beispiel Software-Tools sein, die sich mit bestehenden Produkten verknüpfen lassen - eine Chance für Gründer mit der passenden Idee. Von Seiten Heres und des DGZs heißt es dazu, derzeit werde eruiert, "welche Projekte vorangebracht werden sollen".

Das wiederum könnte für Ingolstadt einen Standortvorteil bedeuten. Denn es geht nicht nur um die Entwicklung neuer Ideen, sondern auch um die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Und es herrscht Konkurrenz, international und im Freistaat. Überall entstehen hierzulande gerade digitale Gründerzentren, rund 80 Millionen Euro stellt die Staatsregierung dafür bereit. So haben sich Regensburg, Amberg und Weiden zur Digitalen Gründerinitiative Oberpfalz zusammengeschlossen, Augsburg und Kempten zum Digitalen Zentrum Schwaben.

Als Vorbild für das Ingolstädter DGZ dient das Werk 1 in München. 2015 hat es den Betrieb aufgenommen, der Geschäftsführer: Franz Glatz, der nun nach Ingolstadt wechselt. Wie in München will er dort Gründern Arbeitsplätze, schnelles Internet und Unternehmenscoaching bieten. "Regelmäßige Veranstaltungsformate", so Glatz, sollen den Austausch der Start-ups untereinander fördern. Aus den Erfolgen und Fehlern der anderen lernen, netzwerken, um Partner und Konkurrenten kennenzulernen - solche Tugenden sind im US-amerikanischen Silicon Valley unerlässlich, um als Start-up Erfolg zu haben.

Improvisieren gehört bei Start-ups zum guten Ton

Neben der Stadt und Here sind weitere Partner mit an Bord: unter anderem die Landkreise Eichstätt, Neuburg und Pfaffenhofen, die Technische Hochschule Ingolstadt (THI) und die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, örtliche Unternehmen. Gerade die Anbindung an die THI ermögliche "eine dynamische, quirlige und moderne Gründerszene", sagt Lösel. Neben dem Thema Mobilität setze man zudem auf "digitale Querschnitt-Technologien" in Handel, Medien und Gesundheit. Dazu sollen mittelständische Firmen aus der Region mit dem DGZ vernetzt werden.

Fehlt nur noch eine Basis. Eigentlich ist dazu das Kavalier Dallwigk erkoren, ein Geschützturm aus dem 19. Jahrhundert. Der muss aber saniert und mit einem Anbau erweitert werden. Voraussichtliche Fertigstellung: 2020. Bis dahin kommt das DGZ in der Reithalle im Klenzepark unter. Ein Provisorium. Aber vielleicht ja eines, das Ingolstadts Start-up-Ruf fördert - im Silicon Valley gehört Improvisieren zum guten Ton.

© SZ vom 20.03.2017/vewo
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