Wintersemester So sieht es auf Bayerns Wohnungsmarkt für Studenten aus

Etwa 400 000 Studenten sind an bayerischen Unis eingeschrieben. Wer in einem Wohnheim untergekommen ist, kann sich glücklich schätzen.

(Foto: Matthias Balk/dpa)
  • Ingesamt sind 400 000 Studenten an bayerischen Universitäten eingeschrieben.
  • Jeweils im Herbst zieht in Hochschulstädten immer wieder die Sorge auf - werden alle Wohnungen oder WG-Zimmer finden?
  • In München kann selbst das WG-Zimmer 500 bis 600 Euro kosten. Bundesweit ist das der traurige Spitzenwert.
Von Vinzent-Vitus Leitgeb und Johann Osel

Es wird wieder richtig eng. Zehntausende neue Studenten werden in diesen Wochen in Bayerns Hörsälen ankommen - und in den Städten. Im Wintersemester starten traditionell viele Erstsemester. Knapp 400 000 Studenten sind insgesamt im Freistaat eingeschrieben, sie müssen nicht nur lernen, sondern auch wohnen; und das möglichst zu bezahlbaren Mieten. Da wird um jeden Quadratmeter Wohnraum gekämpft, da wird noch die letzte Bruchbude zum ersehnten Obdach. Zwar hat sich zuletzt beim Wohnheimbau viel getan. Nicht genug, sagt aber etwa die SPD im Landtag: "Die Studentenzahlen steigen schneller, als Wohnungen gebaut werden." Immer im Herbst zieht in Hochschulstädten die Sorge auf - wird man alle Leute unterkriegen? Ein Überblick.

Wird an einer Stelle ein neues Wohnheim eröffnet, wird nah dran ein anderes geschlossen. Mit Blick auf Erlangen könnte man es derart pessimistisch formulieren. Denn obwohl am Südcampus dieses Jahr bereits zwei neue Häuser eröffnet wurden und vier weitere bis Januar 2018 folgen sollen - insgesamt 410 Wohnplätze -, wurde gleichzeitig das älteste Wohnheim der Stadt geschlossen. Das Alexandrinum hatte knapp 65 Jahre geöffnet und muss nun dringend saniert werden. Für mindestens zwei Jahre fehlen so 200 Plätze. Am allgemeinen Markt ist die Lage ähnlich angespannt. Arbeitgeber wie Siemens ziehen zudem weitere Menschen (mit mehr Geld) in die Stadt. Etwas einfacher haben es Studenten in Nürnberg, dem zweiten Standort der Universität. Die durchschnittlichen Quadratmeterpreise sind hier niedriger. Für viele Uni-Einrichtungen müssen Studenten dann eben nach Erlangen pendeln.

Ein Volltreffer wartet in Regensburg in der Galgenbergstraße, just eingestellt in der Wohnungsbörse des AStA: Appartement, ein Zimmer mit kleinem Bad und Kochnische, um die 300 Euro warm, nahe Uni und Hochschule, frei von sofort an - und wohl schnell weg. Der Wohnungsmarkt ist zuweilen kritisch in der größten Stadt der Oberpfalz, wenngleich das Studentenwerk tut, was es kann. Die Studentenvertreter vom AStA sehen auch die Stadt in der Pflicht: "Obwohl sich Regensburg damit schmückt, eine junge und offene Stadt zu sein, die Studierende gerne aufnimmt, ist es extrem schwer für junge Menschen, eine Wohnung oder ein Zimmer zu finden." Studenten konkurrierten mit anderen Bürgern um günstigen Wohnraum, dabei komme "nicht selten Unmut auf beiden Seiten" auf.

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Inzwischen ist es in München fast so traditionell wie der Wiesnanstich. Irgendwann, rund um den Herbstbeginn, zapft Oberbürgermeister Dieter Reiter nicht nur die erste Mass, sondern er schreibt auch mit Kultusminister Ludwig Spaenle zusammen einen Brief: "Liebe Münchnerinnen und Münchner, wir bitten Sie um Ihre Unterstützung!" Die Bürger sollen überlegen, ob es nicht doch noch ein Zimmer in ihren Wohnungen gibt, das sie untervermieten können. "Selbst wenn es nur für ein oder zwei Semester ist." Damit ist eigentlich alles zur Situation in München gesagt, anders gesagt klingt es so: Nur für jeden zwölften Studenten hat das Studentenwerk einen Wohnheimplatz. Der Rest muss privat unterkommen. Selbst in einer WG kann das Zimmer hier leicht 500 bis 600 Euro kosten. Bundesweit ist das der Spitzenwert. Zuletzt sind außerdem im Münchner Umland die Mieten stark angestiegen - zum Teil noch schneller als in der Landeshauptstadt.

"Je flexibler Sie sind", rät in Würzburg die Studienberatung, "desto leichter wird es sein, etwas Passendes zu finden." Eine Binsenweisheit, die Studenten nach Tauberbischofsheim oder Lauda-Königshofen führen könnte. Der baden-württembergische Main-Tauber-Kreis gewährt Würzburger Studenten einen Zuschuss zum erweiterten Semester-Ticket - wenn diese sich im Nachbarlandkreis niederlassen. Eine kluge Idee, sie bringt junge Leute in die ländlich geprägte Region, entlastet die unterfränkische Großstadt. Dort sei die Wohnungssuche eher heikel, heißt beim Studentenwerk, "schon seit 20 Jahren". Kleine Hoffnung: Zum Semesterstart hat jetzt ein neues, privat geführtes Studentenwohnheim mit mehr als 500 Plätzen eröffnet.