Energiewende in BayernWarum es beim Bau von Windrädern nicht vorwärtsgeht

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In Bayern gab es Ende 2025 knapp 1200 Windräder, hier eines bei München. Zu wenig, findet inzwischen auch die Staatsregierung. Sie fordert mehr Hilfe vom Bund.
In Bayern gab es Ende 2025 knapp 1200 Windräder, hier eines bei München. Zu wenig, findet inzwischen auch die Staatsregierung. Sie fordert mehr Hilfe vom Bund.
Foto: Peter Kneffel/dpa
  • Bayern hat dieses Jahr bis Ende Juni nur elf neue Windräder in Betrieb genommen.
  • Das Erreichen des Ziels von 1000 neuen Anlagen bis 2030 wird immer unwahrscheinlicher.
  • Bayern und Baden-Württemberg fordern eine „Südquote“ im Erneuerbare-Energien-Gesetz, die mindestens 20 Prozent der Förderkontingente für Süddeutschland reserviert.
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Erst blockierte die CSU jahrelang die Windkraft. Nun fallen bayerische Projekte fast vollständig bei der Förderung des Bundes durch. Wie der Ausbau trotzdem funktionieren kann – Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Thomas Balbierer

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Der Windkraft-Ausbau in Bayern kommt weiterhin nicht voran. Wie aktuelle Daten der Bundesnetzagentur zeigen, wurden dieses Jahr bis Ende Juni nur elf neue Anlagen mit einer Leistung von knapp 50 000 Kilowatt in Betrieb genommen. Im gesamten Jahr 2025 waren es 17 Windräder.

Damit wird die Umsetzung eines zentralen Energiewende-Versprechens von CSU und Freien Wählern immer unwahrscheinlicher. „1000 neue Windkraftanlagen im Freistaat bis 2030“ hatten sich die Parteien in ihrem Koalitionsvertrag Ende 2023 vorgenommen. Aber woran scheitert der Plan und welche Lösungen gibt es? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum tut sich Bayern bei der Windkraft so schwer?

Unter Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) führte der Freistaat 2014 die sogenannte 10-H-Regel ein. Sie setzte den Abstand zwischen Windrädern und Siedlungen auf das Zehnfache der Windradhöhe fest. Seehofer wollte Bayern vor einer „Verspargelung“ und seine Partei vor dem Ärger von Windkraftgegnern retten. Dabei würgte er den Ausbau fast vollständig ab. Auch sein Nachfolger Markus Söder (CSU) warnte noch 2022 vor einem „Spargelschock“, erlaubte wegen anhaltenden Drucks von Bund, Wirtschaft und Opposition aber zahlreiche Ausnahmen von der strengen Abstandsregel.

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Seitdem nehmen zwar die Genehmigungen neuer Anlagen deutlich zu, allein 2025 wurden dem Wirtschaftsministerium zufolge 198 Windräder genehmigt. Doch deren Bau lässt auf sich warten. Insgesamt ist der Realisierungsstau auf bereits 350 genehmigte Anlagen angewachsen, heißt es aus dem Ministerium.

Ministerpräsident Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sehen das Problem nun vor allem im Bund, bei der Förderung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). In den zwei jüngsten Ausschreibungsrunden der Bundesnetzagentur erhielten nur fünf bayerische Windkraft-Projekte einen EEG-Zuschlag. Ohne Förderung kein Windrad, so einfach ist die Rechnung von Investoren.

Weshalb fällt Bayern bei der Förderung durch?

Überspitzt formuliert: In Bayern weht der Wind zu schwach; und wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. In der windreichen Nordhälfte Deutschlands produzieren die Anlagen günstiger und haben damit im Wettbewerb um die EEG-Förderung klare Vorteile – das günstigste Angebot erhält den Zuschlag. Es gibt zwar einen Ausgleichsmechanismus, aber dieser ist aus bayerischer Sicht nicht wirksam genug.

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Verschärfend kommt hinzu, dass nicht nur Bayern die Genehmigungen für Windräder inzwischen beschleunigt hat, sondern auch andere Bundesländer: Immer mehr Anlagen konkurrieren daher um die EEG-Förderung, die Töpfe sind stark überzeichnet. Zusätzliche Ausschreibungen sind für das kommende Jahr geplant, dürften das Problem aber nicht grundlegend ändern.

Wie kann die Windkraft trotzdem Fahrt aufnehmen?

Das Zauberwort lautet „Südquote“. In einem gemeinsamen Vorstoß im Bundesrat fordern Bayern und Baden-Württemberg von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), Förderkontingente speziell für Süddeutschland ins EEG aufzunehmen: Mindestens 20 Prozent des ausgeschriebenen Volumens soll an die beiden Bundesländer gehen. „Der Windausbau im Süden muss gefördert und darf nicht ausgebremst werden“, sagte Söder kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Zuvor hatten sich auch die Grünen im bayerischen Landtag dafür ausgesprochen.

Die Idee ist allerdings schon mal gescheitert. Bereits unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte die Bundesregierung 2020 eine Südquote an. Diese wurde nie umgesetzt, weil die Genehmigung einer solchen Beihilfe aus Brüssel fehlte. Nun steht also ein neuer Anlauf im Raum.

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Das Bundeswirtschaftsministerium will den Vorstoß der beiden Südländer auf Anfrage nicht kommentieren. Es verweist stattdessen auf die geplanten Reformen bei der Energiewende, die derzeit innerhalb der Bundesregierung abgestimmt würden. Diese sollen die Kosten minimieren. Ein Südkontingent könnte hingegen zusätzlich Geld kosten, wenn zugleich die Ausschreibungsmengen erhöht werden, wie es Bayern und Baden-Württemberg fordern.

Braucht der Süden unbedingt Windräder?

Hausgemachte Probleme, ein schwieriger Gesetzesrahmen und starke Konkurrenz im Norden: Kann Bayern sich den Stress nicht sparen und auf die gut ausgebaute Photovoltaik und Wasserkraft setzen? Gegen diesen simplen Schluss sprechen mehrere Argumente: Der Strombedarf wächst. Bevölkerung und Industrie sind auf eine verbrauchernahe, sichere und bezahlbare Stromversorgung angewiesen. Und irgendwann mal soll das Land ja klimaneutral sein. Windräder sind dafür unerlässlich. Sie drehen sich auch nachts und im Winter, wenn die Sonne nun mal nicht scheint.

Zudem führt eine ausgewogene Verteilung der Windkraft zu einer höheren Netzstabilität zwischen Nord und Süd und zu weniger Abregelungen von Anlagen, sagen Experten. Laut einer Studie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft könnte der Ausbau im Süden Entschädigungskosten von bis zu 1,8 Milliarden Euro im Jahr einsparen.

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